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Eine ganze Weile habe ich einen Band auf dem Tisch, der mit „Bildung und Schule auf dem Weg in die Wissensgesellschaft“ überschrieben ist und anlässlich des 65. Geburtstags von Renate Schulz-Zander herausgegeben wurde (Annabell und Gabi haben weit vor mir darüber berichtet). Ein paar Zugfahrten später will ich nun speziell einen Beitrag herausgreifen, an dem ich bei der Lektüre gedanklich hängen geblieben bin. Er lautet „Brücken bauen – Übergang von der Schule zur Hochschule“, ist von Heike Hunneshagen und behandelt ein Thema, das mich schon länger beschäftigt, nämlich die Studienwahl von jungen Erwachsenen. Der Zugang zum Thema erfolgt dabei recht klassisch, so dass primär nach dem Studienwahlverhalten von Mädchen und Jungen unterschieden wird. Hängen geblieben bin ich aber nicht wegen diesem Zugang oder den konkreten Ergebnissen zur Studienwahl, die am Beispiel der Ruhr-Uni Bochum aufgezeigt werden. Diese kann man ähnlich gut an den Zahlen des Statistischen Bundesamts ablesen und Konsequenzen letztlich täglich an der Uni „sehen“. Aufgefallen ist mir vielmehr eine Feststellung, die auf die Vertrautheit mit Berufen zurückgeht:

„Aufgrund der Zuschreibung von technisch-naturwissenschaftlichen Kompetenzen zur männlichen Lebenswelt ziehen sich Mädchen (z.T. unbewusst) aus dieser Domäne zurück.“ (Hunneshagen, 2010, S. 71)

Eine Aussage in dieser Deutlichkeit hatte ich mir im Jahr 2010 nicht erwartet – vielmehr war ich davon ausgegangen, dass sich (ob der vielen Projekte zur Stärkung des Selbstvertrauens von Mädchen) bei der Studien- und Berufswahl eindeutige Verschiebungen vor allem in Richtung der Naturwissenschaften ergeben. Dem ist offenbar nicht so. Es stellt sich daher (wohl oder übel) die Frage, inwiefern die aktuellen Projekte in ihrer Anzahl ausreichen, ob sie inhaltlich und mit dem Fokus auf Gender richtig angelegt sind und inwieweit sie aufgrund der Komplexität des zugrunde liegenden Studien- und Berufswahlprozesses überhaupt greifen (können). Denn die „Vererbung“ von Berufen findet nur noch in einem von zwei Fällen statt, wenn man Studien dazu glaubt (z.B. Beinke, 2004, 2006). Wichtiger werden hingegen Mentoren, die auch im Konzept von MINT eine Rolle spielen. Die Frage ist nur, über welchen Zeitraum sich die (positiven) Erfahrungen bei den (weiblichen) Schülern einstellen sollen, welche Bedeutung die Lehrer dabei einnehmen und vor allem auch, inwiefern die „Konkurrenz“ unter (potenziellen) Studiengängen und Berufen die zahlreichen Bemühungen mitunter wieder aufheben wird. Auch frage ich mich, ob Schüler nicht irgendwann mit den an sie gerichteten vielfältigen Erwartungen und Bemühungen überfordert sind. Aber das ist wohl ein anderes Thema.

Nachtrag 31. März 2010: Den Herausgeberband gibt es ab sofort auch bei Google-Books.

Beinke, L. (2006). Bildungsbarrieren im Schulsystem. In G. Seeber (2006), Die Zukunft des sozialen Sicherung – Herausforderungen für die ökonomische Bildung. Deutsche Gesellschaft für ökonomische Bildung. Wirtschafts- und berufspädagogische Schriften. Band 34 (S. 187-208). Bergisch Gladbach: Hobein.

Beinke, L. (2004). Berufsorientierung und peer-groups und die berufswahlspezifischen Formen der Lehrerrolle. Berlin: Bock.

Hunneshagen, H. (2010). Brücken bauen – Übergang von der Schule zur Hochschule. In B. Eickelmann (Hrsg.), Bildung und Schule auf dem Weg in die Wissensgesellschaft (S. 69-84). Münster: Waxmann.

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Aufräumen zu Jahresbeginn hat etwas für sich. Jedenfalls bin ich ein großer Fan davon. Jedes weggeworfene Papier schafft Platz für neues und Bücher, weil man die ja nicht wegwirft, gehen zum Flohmarkt. Und damit verbinde ich wiederum eine Menge Spaß, denn in der Früh aufzustehen und noch im Taschenlampenschein mit Leuten zu verhandeln, ob das Zeug jetzt fünfzig Cent oder doch einen Euro Wert ist – einfach klasse. Weltberühmt (zumindest bei uns in der Familie) sind auch die Versuche, in Sonderaktionen mehrere Stücke gleichen Typs an die Frau oder den Mann zu bringen. Ja, Flohmarkt ist schon ein persönliches Highlight Jahr für Jahr.

Aber um noch mal auf das Aufräumen zurückzukommen: Schön bei der Durchsicht alter Dinge sind auch die vielen Erinnerungen, die bei der Gelegenheit wieder zum Vorschein kommen. So habe ich eben erst meine ganzen Bewerbungsunterlagen für mein Studium wiedergefunden und die Prioritätenliste, die ich damals aufgestellt hatte. Grund dafür war nicht meine persönliche Affinität zu Listen (könnte man ja meinen bei dem kaufmännischen Background), sondern vielmehr der Hinweis eines sehr reflektierten Berufsberaters bei der Agentur für Arbeit in meiner Heimatstadt Rheine. Er hat mir vor fast zehn Jahren erklärt, welche Umbrüche mit den Reformen von Bologna auf Universitäten/Hochschulen zukommen. Er sollte in seiner Einschätzung Recht behalten. Und heute ist die Diskussion um die neuen und alten Studiengänge und das, was sie zu leisten im Stande sind, aktueller denn je (siehe z.B. Website des Bildungsstreiks).

Damals ging es vor allem darum, ob es noch Sinn macht, sich für ein Magister- oder Diplomstudium einzuschreiben, während die Zukunft in den modularisierten Bachelor- und Masterstudiengängen zu liegen schien. Für mich persönlich waren die neuen Studiengänge wohl aus zwei Gründen attraktiver: Zum einen kam mir die interdisziplinäre Ausrichtung der meisten B.A.-/M.A.-Studiengänge entgegen (wohingegen ich die Nebenfachwahl im Magister alles andere als trivial und zusätzlich stark abhängig von der Ausrichtung der einzelnen Universität fand). Zum anderen war mir zwar klar, dass ich studieren wollte, aber eben nicht, wie lange meine Zeit an der Universität andauern sollte. Das zeitlich überschaubare B.A.-Studium hat mich daher angesprochen – gerade auch, weil ich den Zeithorizont von drei Jahren durch die eben beendete Ausbildung ganz gut abschätzen konnte. Augsburg stand daher als einer der ersten umgestellten Medienstudiengänge in Deutschland auf meiner Prioritätenliste ganz oben.

Rückblickend waren das sicher Überlegungen, die in etwa den Mainstream der Studierendenschaft widerspiegelten. Viele meiner Kommilitonen waren interessiert daran, ihr Studium zügig durchzuziehen und möglichst bald in den Arbeitsmarkt einzutreten (was vermutlich die Punktelogik bzw. das individual-ökonomische Kalkül evoziert hat); zusätzlich strahlte der Bachelor und die damit verbundenen Reformen (vor allem Interdisziplinarität und Internationalität) eine gewisse Anziehungskraft auf die Studierenden aus, ohne dass sie im Detail wussten, was sich dahinter verbirgt. Ziemlich bald haben nämlich eine Reihe von Kommilitonen nach Beschäftigungen neben dem Studium gesucht – viele engagierten sich in Projekten, andere in der Fachschaft und wieder andere in irgendwelchen Nebenjobs. Bei mir waren es vor allem die Fachschaft und die Tätigkeit als studentische Hilfskraft, die mir ab dem zweiten Semester viele Einblicke in die Organisation Universität ermöglicht und mit Sicherheit auch Interesse am wissenschaftlichen Arbeiten bzw. Forschen erzeugt haben (was bis heute anhält).

Im Rückblick somit wirklich interessant, wie sich Einstellungen über die Zeit entwickeln und Meinungen bzw. Haltungen verändern können. Die ganzen Einschreibungsunterlagen und Bescheide der Unis/FHs werde ich jedenfalls trotz Aufräumwahn behalten – schließlich sind sie Spiegel einer für mich und aus Bildungsperspektive turbolenten Zeit.

In diesen Tagen kommt man fast nicht darum herum, über Genderfragen zu sprechen – immerhin fand gestern der Girl’s und an vielen Orten parallel auch der Boy’s Day statt. Zu einer Zeit initiiert, als Frauen stärker in typische Männerberufe hineinschnuppern sollten, frage ich mich inzwischen schon, inwieweit genderspezifische Berufsvorbereitung notwendig ist. Schließlich stehen frau – zumindest formal – alle Wege der Berufswahl offen. Abseits von Genderfragen halte ich es schon für spannender, nach der Bedeutung eines Berufsinformationstags an Mamas oder Papas Seite zu fragen (in vielen Unternehmen gehen die Kinder mit den Eltern zur Arbeit): Die Vererbung von Berufen findet längst nicht mehr statt; vielmehr sind es persönliche Erfahrungen und vor allem Peers, die den Einfluss auf die Studien- und Berufswahl prägen (siehe weiterführend Beinke, 2004 und 2006). So nutzen solche „Tage der offenen Tür“ aus Schülersicht ganz global, um praxisorientierte Einblicke in die Arbeitswelt zu bekommen – und zwar Mädchen wie Jungen. Erst heute findet sich schließlich ein Artikel bei Spiegel-Online darüber, wie planlos Abiturienten in punkto Berufsorientierung sind. Und in meiner Heimatzeitung wurde schon gestern darüber berichtet, dass der Boy’s Day die Jungs nicht recht erreicht – wen wundert’s. Klingt der Name doch ziemlich uncool und vor allem nach einem Abklatsch. Ich würde für ein neues „Label“ plädieren. Wie das genau heißen soll, muss ich mir noch überlegen.

Vor dem Bildungsgipfel war es noch die Meldung, heute geht es in den Nachrichten fast unter: Die Studie zu den Studiengebühren aus Sicht Studierender ist nun auf den Seiten der HIS GmbH online verfügbar. Leider blieb mir noch nicht die Zeit, mehr als die Zusammenfassung zu lesen und damit eine ordentliche Einschätzung zur Studie abzugeben – kommt! Passend zu dieser viel diskutierten Studie wurde eine Analyse der Studienanfänger des Wintersemesters 2007/2008 vorgelegt. Auch hier nehmen die Studiengebühren gewissen Raum ein, was ich angesichts der einschneidenden Veränderungen von Hochschule durch die erhöhten Kosten (bei gleichem Nutzen?) wichtig finde. Neben dem Gebührenthema werden in der zweiten Studie die Berufs- und Lebensziele von Studierenden angesprochen – aus meiner Sicht ein mindestens genauso spannendes Feld, lässt sich doch eine veränderte Haltung von Studierenden gegenüber ihrem Studium, den Lehrenden und der Hochschule immer stärker beobachten. Auch hier muss ich dringend genauer nachlesen.

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