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Ungefähr sechs Monate und unzählige Besprechungen später halte ich heute die ersten Abschlussarbeiten in Händen, die offiziell von mir betreut worden sind und die ich auch bewerten darf. Ich muss zugeben, ich finde diesen Rollenwechsel von der Abschlussarbeitskandidatin, die ich vor nicht allzu langer Zeit selbst war (und bei der Promotion aktuell noch bin), hin zur Erstkorrektorin einer Qualifikationsarbeit einigermaßen aufregend. Immerhin habe ich durch die enge Betreuungssituation zu vielen Zeitpunkten mitbekommen, wo die Studierenden stehen und wie sie sich von Treffen zu Treffen entwickelt haben. Und dabei meine ich sowohl die inhaltliche als auch die persönliche Entwicklung. Schön zu sehen ist nämlich auch, wie die Studierenden in dieser letzten Studienphase nochmals reifen: durch das viele Lesen und damit verbundene Denken, durch tiefe Gespräche mit Kommilitonen und Betreuern sowie durch die lange Zeit der Beschäftigung mit einem Thema, was sie sonst nicht gewohnt sind. Noch erfreulicher ist es dann, wenn die Arbeiten – zumindest auf den ersten Blick – einen guten Eindruck hinterlassen und Lust zum Lesen machen. Ich will mich daher bemühen, die Arbeiten rasch durchzusehen. Ich bin mir allerdings sicher, dass die Begutachtung und die damit verbundene Bewertung der Arbeiten eine nochmals eigene Herausforderung ist – die ich natürlich gerne annehme, aber das ergibt sich ja von selbst.

Lange haben wir uns gefreut, gestern war es dann soweit: Die Graduates08 fand im Dorint Hotel in Augsburg statt. Die MuK-Absolventenfeier bietet den Bachelor- und Masterabsolventen einen passenden Rahmen dafür, ihren Abschluss mit Kommilitonen, Freunden und Verwandten zu feiern. Ich gebe zu, das ist einigermaßen amerikanisch, aber bei uns werden die Graduates regelmäßig von den Studierenden selbst organisiert. Schon allein deshalb halte ich die Feier für unterstützenswert. Früher hat die Organisation hauptsächlich die Fachschaft übernommen; heute gibt es ein Begleitstudiumsprojekt, das sich um das Event Graduates kümmert. Ein Budget gibt es nicht – alle Überlegungen beginnen bei null Euro. Ich erwähne das deshalb, weil die studentischen Organisatoren trotzdem Jahr für Jahr eine tolle Feier auf die Beine stellen und sich dafür richtig reinhängen.

Auch die Graduates08 war wieder ein schönes Erlebnis mit einem bunten Programm: Nach einer kurzen Begrüßung von Moderatorin Viola Gaspar (auch MuK-Studentin), hat Prof. Dr. Dr. Werner Wiater zu den Anwesenden gesprochen. Szenenapplaus bekam der Prorektor der Universität Augsburg für die Zusage, den MuK-Studiengang bei seinem Ausbau und bei der Akkreditierung unterstützen zu wollen.

Nach der Vorspeise hatte ich dann die Aufgabe, die Absolventenperspektive in Form einer Rede einzubringen. Das war gar nicht mal so einfach! Denn eine Rede auf der Graduates halte ich auch nicht jeden Tag. Als Motto habe ich Zeiten ändern sich gewählt, da der Übergang vom Studium in den Beruf mit vielen Veränderungen einhergeht, z.B. im Hinblick auf Rollen, Wohnort und Zeit. Ich denke, damit habe ich den Geschmack des Publikums ganz gut getroffen… Im Anschluss an meinen kurzen Vortrag folgte die Studierendenperspektive von Clarissa Schöller, die sich inhaltlich vor allem mit dem MuK an sich beschäftigt hat. Die Rede war gespickt mit vielen Anekdoten aus dem Studienalltag und diverse Lacher waren deshalb vorprogrammiert. Nach uns folgte Prof. Dr. Christiane Eilders, die den MuK-Studiengang als Vertreterin des Boards aus der Außen- und Binnenperspektive betrachtet hat. Auch wenn wir drei uns nicht großartig abgesprochen hatten, hatte jede Rede ihren eigenen Kern und passte meiner Meinung nach gut zu einer Absolventenfeier.

Im Anschluss an die Hauptspeise wurden dann die Jahrgangsbesten geehrt bzw. alle Absolventen aufgerufen. Mit der Zeit wurde es vorne voller und voller, denn eine 2×2-Meter-Bühne bietet kaum Platz für 52 Absolventen plus Frau Eilders und mich… Umso lustiger (und gequetschter!) wurde das traditionelle Abschlussfoto. Noch rasch die Nachspeise eingenommen, wurde dann im Lamm weitergefeiert bis tief in die Nacht. Ein (bis auf kleinere Zwischenfälle ;-)) gelungener Abend!

… als ich noch an der Abschlussarbeit schrieb. Oder besser gesagt: an den Abschlussarbeiten, immerhin habe ich schon zwei hinter mich gebracht bzw. bringen müssen (Bachelor und Master). Etwas an die Zeit erinnert fühlte ich mich jedenfalls gestern, als ich die Sechs Tipps für den großen akademischen Wurf auf Spiegel-Online gelesen habe. Denn die meisten Punkte treffen wohl auf jeden zu. Gerade Punkt sechs – die Zeit kurz vor der Abgabe: Stress und die latente Unsicherheit, irgendetwas vergessen oder falsch gemacht zu haben. Zum Glück habe ich das hinter mir. Also fast, denn so eine Diss schreibt sich auch nicht von selbst. Und wie waren Eure Erfahrungen?

Langsam wird sichtbar, was der Bologna-Prozess bei Deutschlands Studentenschaft bewirkt. Neben positiven Effekten wie mehr Zielorientierung und schnellerem Berufseintritt folgen nun – wie zu erwarten war – auch unerwünschte Effekte. Studierende kommen v.a. mit dem anwachsenden Leistungs- und Prüfungsdruck immer weniger zurecht. Einige Studierende nehmen der Süddeutschen Zeitung zufolge bereits Phychopharmaka, um dem Druck gewachsen zu sein. Ob Humboldt das gewollt hätte?

Gut zu meinem Eintrag von gestern passt ein aktueller Artikel aus der presstige. Das Augsburger Hochschulmagazin stellte u.a. Frank und mir die Frage: Sind die neuen Bachelor-/Masterstudiengänge zeitintensiver? Eine eindeutige Antwort findet sich aus meiner Sicht nicht: Ja, durch das Credit-Point-System muss man viel Zeit für die Uni aufwenden – jede Note zählt. Nein, denn ich habe in meinem Studiengang genügend Freiheiten gefunden, um meinen Interessen nachzugehen. Freiheit ade – oh, ne!

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