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An Universitäten gibt es eine ganze Reihe an Veranstaltungen, die außerhalb von Lehre und Forschung stattfinden und sich speziellen Fragen widmen. Die meisten Veranstaltungen sind dabei so exotisch, dass sie nur einen kleinen Personenkreis ansprechen und zeitlich auch eher ungünstig liegen. Ist dann noch der schönste Tag des Jahres vorausgesagt, liegt es nahe, dass viele – Studierende und Mitarbeiter gleichermaßen – den Besuch des Baggersees dem angestrengten (Mit-)Denken vorziehen. Zum Glück treffen diese recht pauschalen Aussagen nicht immer zu, zumindest nicht auf den gestrigen Abend, der unter dem Motto „Wege in die Wissenschaft“ stand. Geladen hatte die Frauenbeauftragte der Philosophisch-Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Augsburg; Ziel war es, anhand von drei Wissenschaftlerinnen unterschiedliche Zugänge zur Wissenschaft kennenzulernen und darüber zu diskutieren. Nun war ich eine der drei Personen, die ihre Geschichte vor einer kleinen, aber feinen Runde dargeboten hat und die in die Pflicht genommen wurde, als jüngste Vertreterin auch den Anfang zu machen. Dabei musste ich einmal mehr feststellen, dass es gar nicht so einfach ist, vom „normalen“ Gespräch über die eigene Vita abzuweichen und einen primär erzählerischen Zugang zu wählen. Deshalb war ich dankbar über den Titel der Veranstaltung, der mir mit der Weg-Analogie gleich einen Aufhänger geliefert hat. Ich habe daher davon berichtet, wie es ist, Wissenschaft im Studium zu schnuppern, wie man sich etwa durch die Mitarbeit als studentische Hilfskraft und Tutorin an Wissenschaft herantasten kann, welche Möglichkeiten des Eintauchens es in wissenschaftliche Fragestellungen gibt und unter welchen Bedingungen einen mitunter auch die Promo-Vieren anstecken (können). Meine Kurzpräsentation endete dann mit der Frage, inwiefern man von Wissenschaft leben kann – denn diese Frage wird aus meiner Sicht immer bedeutsamer, sofern sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Stelle zu Stelle hangeln und das Gefühl von Unsicherheit den Mittelbau beherrscht. Insofern war ich gespannt, welche Antworten die beiden geladenen Professorinnen (Anne Frenzel und Hildegard Macha) auf diese (und andere) Fragen hatten und habe auch ihnen beiden gerne zugehört. Wann gibt es schon mal die Gelegenheit, tolle Geschichten abseits eines geradlinigen Lebenslaufs zu hören?

Eine ganze Weile habe ich einen Band auf dem Tisch, der mit „Bildung und Schule auf dem Weg in die Wissensgesellschaft“ überschrieben ist und anlässlich des 65. Geburtstags von Renate Schulz-Zander herausgegeben wurde (Annabell und Gabi haben weit vor mir darüber berichtet). Ein paar Zugfahrten später will ich nun speziell einen Beitrag herausgreifen, an dem ich bei der Lektüre gedanklich hängen geblieben bin. Er lautet „Brücken bauen – Übergang von der Schule zur Hochschule“, ist von Heike Hunneshagen und behandelt ein Thema, das mich schon länger beschäftigt, nämlich die Studienwahl von jungen Erwachsenen. Der Zugang zum Thema erfolgt dabei recht klassisch, so dass primär nach dem Studienwahlverhalten von Mädchen und Jungen unterschieden wird. Hängen geblieben bin ich aber nicht wegen diesem Zugang oder den konkreten Ergebnissen zur Studienwahl, die am Beispiel der Ruhr-Uni Bochum aufgezeigt werden. Diese kann man ähnlich gut an den Zahlen des Statistischen Bundesamts ablesen und Konsequenzen letztlich täglich an der Uni „sehen“. Aufgefallen ist mir vielmehr eine Feststellung, die auf die Vertrautheit mit Berufen zurückgeht:

„Aufgrund der Zuschreibung von technisch-naturwissenschaftlichen Kompetenzen zur männlichen Lebenswelt ziehen sich Mädchen (z.T. unbewusst) aus dieser Domäne zurück.“ (Hunneshagen, 2010, S. 71)

Eine Aussage in dieser Deutlichkeit hatte ich mir im Jahr 2010 nicht erwartet – vielmehr war ich davon ausgegangen, dass sich (ob der vielen Projekte zur Stärkung des Selbstvertrauens von Mädchen) bei der Studien- und Berufswahl eindeutige Verschiebungen vor allem in Richtung der Naturwissenschaften ergeben. Dem ist offenbar nicht so. Es stellt sich daher (wohl oder übel) die Frage, inwiefern die aktuellen Projekte in ihrer Anzahl ausreichen, ob sie inhaltlich und mit dem Fokus auf Gender richtig angelegt sind und inwieweit sie aufgrund der Komplexität des zugrunde liegenden Studien- und Berufswahlprozesses überhaupt greifen (können). Denn die „Vererbung“ von Berufen findet nur noch in einem von zwei Fällen statt, wenn man Studien dazu glaubt (z.B. Beinke, 2004, 2006). Wichtiger werden hingegen Mentoren, die auch im Konzept von MINT eine Rolle spielen. Die Frage ist nur, über welchen Zeitraum sich die (positiven) Erfahrungen bei den (weiblichen) Schülern einstellen sollen, welche Bedeutung die Lehrer dabei einnehmen und vor allem auch, inwiefern die „Konkurrenz“ unter (potenziellen) Studiengängen und Berufen die zahlreichen Bemühungen mitunter wieder aufheben wird. Auch frage ich mich, ob Schüler nicht irgendwann mit den an sie gerichteten vielfältigen Erwartungen und Bemühungen überfordert sind. Aber das ist wohl ein anderes Thema.

Nachtrag 31. März 2010: Den Herausgeberband gibt es ab sofort auch bei Google-Books.

Beinke, L. (2006). Bildungsbarrieren im Schulsystem. In G. Seeber (2006), Die Zukunft des sozialen Sicherung – Herausforderungen für die ökonomische Bildung. Deutsche Gesellschaft für ökonomische Bildung. Wirtschafts- und berufspädagogische Schriften. Band 34 (S. 187-208). Bergisch Gladbach: Hobein.

Beinke, L. (2004). Berufsorientierung und peer-groups und die berufswahlspezifischen Formen der Lehrerrolle. Berlin: Bock.

Hunneshagen, H. (2010). Brücken bauen – Übergang von der Schule zur Hochschule. In B. Eickelmann (Hrsg.), Bildung und Schule auf dem Weg in die Wissensgesellschaft (S. 69-84). Münster: Waxmann.

In diesen Tagen kommt man fast nicht darum herum, über Genderfragen zu sprechen – immerhin fand gestern der Girl’s und an vielen Orten parallel auch der Boy’s Day statt. Zu einer Zeit initiiert, als Frauen stärker in typische Männerberufe hineinschnuppern sollten, frage ich mich inzwischen schon, inwieweit genderspezifische Berufsvorbereitung notwendig ist. Schließlich stehen frau – zumindest formal – alle Wege der Berufswahl offen. Abseits von Genderfragen halte ich es schon für spannender, nach der Bedeutung eines Berufsinformationstags an Mamas oder Papas Seite zu fragen (in vielen Unternehmen gehen die Kinder mit den Eltern zur Arbeit): Die Vererbung von Berufen findet längst nicht mehr statt; vielmehr sind es persönliche Erfahrungen und vor allem Peers, die den Einfluss auf die Studien- und Berufswahl prägen (siehe weiterführend Beinke, 2004 und 2006). So nutzen solche „Tage der offenen Tür“ aus Schülersicht ganz global, um praxisorientierte Einblicke in die Arbeitswelt zu bekommen – und zwar Mädchen wie Jungen. Erst heute findet sich schließlich ein Artikel bei Spiegel-Online darüber, wie planlos Abiturienten in punkto Berufsorientierung sind. Und in meiner Heimatzeitung wurde schon gestern darüber berichtet, dass der Boy’s Day die Jungs nicht recht erreicht – wen wundert’s. Klingt der Name doch ziemlich uncool und vor allem nach einem Abklatsch. Ich würde für ein neues „Label“ plädieren. Wie das genau heißen soll, muss ich mir noch überlegen.

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