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Gestern war ich im Seminar „Mediendidaktik aktuell“ zu Gast, um aus meiner täglichen Arbeit an der Professur zu berichten und den (vorwiegend Bachelor-)Studierenden mögliche Forschungsfelder bei uns aufzuzeigen. Für mich war das eine neue Situation, denn bisher kamen die Studierenden primär mit Ideen für Abschlussarbeiten auf uns zu – nicht umgekehrt. Dennoch habe ich es als spannende Erfahrung empfunden, für die Lehrveranstaltung in aller gebotenen Kürze zusammenzufassen, was mich derzeit inhaltlich beschäftigt und wo sich möglicherweise Anker für Abschlussarbeiten ergeben.

Bei der Vorstellung habe ich dann versucht, einen groben Rahmen von Interessensgebieten aufzuspannen, und gleichzeitig mit der Forschungswolke und mit w.e.b.Square zwei konkrete, noch zu entwickelnde oder bereits laufende Projekte vorgestellt, um die (eher) grundsätzlichen Überlegungen und (fast schon) Metathemen im Bereich Bildung etwas zu „erden“. Insofern hatte die Präsentation vorwiegend informativen Charakter und sollte Hürden abbauen, neben den Professoren auch wissenschaftliche Mitarbeiter für die Betreuung von Abschlussarbeiten anzufragen.

Ja, da habe ich nicht schlecht gestaunt, als ich neulich von einer Studentin darauf angesprochen wurde, dass ich in letzter Zeit gar nicht mehr so viel bloggen würde. Was denn los sei…? Mal abgesehen davon, dass ich in den letzten Wochen wirklich selten zum Bloggen gekommen bin – die freie Zeit fließt momentan einfach zu 100% in die Diss – bin ich wirklich immer wieder erstaunt, wer diese Zeilen hier liest. Natürlich ist ein Blog öffentlich zugänglich, aber man kann trotzdem nie genau abschätzen, wer sich hinter der Öffentlichkeit verbirgt. Und dass zur Leserschaft auch Studierende zählen, freut mich umso mehr. Immerhin zeigt das, dass ein Sichtbarmachen von Ideen und Konzepten, die Forschung und Lehre tangieren, nicht nur eine Scientific Community interessiert, sondern auch Studierende erreichen kann.

Immer wieder kommt es vor, dass wir über Für und Wider von Prozentwerten in wissenschaftlichen Arbeiten diskutieren. Anlass sind zumeist Korrekturschlaufen oder eigene Seminare, in denen es um die „richtige“ Vermittlung der Vorgehensweise geht. Auffällig ist in jedem Fall, dass bei der Auswertung von Untersuchungen ein regelrechtes Primat der Prozente herrscht. Jedes noch so kleine Sample wird in Prozentwerten ausgedrückt. Dass eine Person dabei manchmal fünf bis 10 Prozent ausmacht, scheint niemanden zu stören. Hauptsache Prozentwerte! Es kostet dann einige Zeit und Mühe, diese Logik gemeinsam mit den Studierenden zu hinterfragen bzw. sie zu ermuntern, den Weg über die einfache Nennung von Häufigkeiten zu suchen. Angesichts der vorherrschenden Stellung von quantitativer Forschung ist das gar nicht so leicht; im Endeffekt sind aber alle Beteiligten mit dem stärkeren Fokus auf Inhalte und Interpretationen viel zufriedener als mit der bloßen (vorwiegend deskriptiven) Darstellung von Prozenten. Ähnlich ist es übrigens mit den Grafiken: Auch hier ist weniger mehr.

Eher zufällig bin ich heute auf das Social Science Research Network (SSRN) gestoßen. Das Netzwerk dokumentiert Forschungsergebnisse aus den Sozialwissenschaften und umfasst dabei Veröffentlichungen jeder Art (inkl. „grauer“ Literatur). Besonders interessant ist daher der Zugriff auf eine elektronische Bibliothek. Auch wenn nicht immer Full Papers zur Verfügung gestellt werden, erhält man doch einen guten Einblick in englischsprachige Literatur bzw. über den dortigen Stand der Forschung.

Köstlich! In der aktuellen Ausgabe der brandeins wird über den Ig-Nobelpreis und damit über die unsinnigsten („ignoble“) Forschungsgegenstände der letzten Jahre berichtet. Herausragend unnötig ist z.B. die biologische Forschung zur Kommunikation von Heringen. Die Erkenntnis: Der Austausch funktioniert mittels Flatulenzen (für die Nicht-Lateiner: Furzen). Abgesehen von überaus lustigen und geradezu unsinnigen Forschungsthemen wird im Text eine weitere Problematik angesprochen: „Respekt, Ehrfurcht, tiefer Glaube – der Laie neigt vor allem zu Letzterem, wenn von wissenschaftlichen Spitzenleistungen die Rede ist.“ (brandeins 01/08, 113) Der Expertenstatus des Forschers ist nicht zuletzt ein Produkt des Wissenschaftsbetriebs, der durch seine Communities wie andere Systeme das Streben nach Anerkennung, Ruhm und Karriere fördert (im Artikel wird noch von Geld gesprochen – wer an der Hochschule arbeitet, weiß jedoch, dass man da nicht reich werden kann ;-)). Gegenüber Zuckermann haben etwa deutsche Nobelpreisträger ihren Erfolg allein auf „Glück und soziale Beziehungen“ zurückgeführt. Erschreckend, irgendwie. Bleibt zu hoffen, dass Initiativen wie der Ig-Nobelpreis weiter zur Entzauberung unnützer Forschung und von medialen Selbstdarstellern beiträgt.

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