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Es ist still geworden hier im Blog. Und es wird wohl auch noch ein paar Tage (vielleicht auch Wochen…) still bleiben. Grund ist, dass ich über alle Ohren in Arbeit stecke: Der endlich absehbare Abschluss der Diss verdient einfach die absolute Priorität. Ich hoffe, Ihr könnt das verstehen und bleibt mir als Leserinnen und Leser treu. Auf bald!

Vor einigen Tagen ist die neue Ausgabe der Zeitschrift Aus Politik und Zeitgeschichte erschienen; ich lese die APuZ, wie sie gewöhnlich abgekürzt wird, sehr gerne, da meist pointiert aktuelle Themen aus den Sozialwissenschaften aufgegriffen werden. Das aktuelle Heft widmet sich nun der ökonomischen Bildung, und das interessiert mich per se schon einmal. Bei bestem Wetter habe ich mir heute Nachmittag auf dem Balkon die Zeit genommen, die Texte zu lesen (also zu lesen, nicht nur zu überfliegen ;-)). Konkret will ich vier Artikel aufgreifen, die mir aus unterschiedlichen Gründen wichtig erscheinen:

Für ein erstes Grounding halte ich den Text von Hermann May (2011) für bedeutsam. Der Autor skizziert, was man aktuell unter ökonomischer Bildung versteht und inwiefern diese Allgemeinbildung sein kann/muss. Etwas gestört hat mich der qualifikatorische Zugang, da ich von ökonomischer Bildung mehr erwarte als die Vorbereitung auf den Beruf, etwa die Entwicklung einer reflexiven Haltung gegenüber eigenem (Wirtschafts-)Handeln. Vielleicht bin es aber auch ich, die diesen Begriff Qualifikation zu eng versteht, denn eine Nähe von Qualifikation und Kompetenz(entwicklung) ist allemal erkennbar; auch zur Bildung lassen sich im Text durchaus Parallelen ausmachen, die allerdings nicht näher expliziert werden.

Daneben finde ich (einmal mehr) die Ausführungen von Thomas Retzmann (2011) bzw. der Autorengruppe um Gerd.-E. Famulla (Famulla et al., 2011) spannend, da sie die aktuellen Kontroversen um die Verankerung ökonomischer Bildung in der Schule direkt aufzeigen. Während sich der eine an den Vorgaben der KMK orientiert und darum bemüht ist, in Anlehnung an ein früheres Papier (Retzmann et al., 2010) Bildungsstandards für wirtschaftsbezogene Inhalte in der Schule zu formulieren, lenkt das Autorenkollektiv die Aufmerksamkeit auf andere Aspekte, die sie auch in ihrem lesenswerten Papier (Hedtke et al., 2010) zur besseren ökonomischen Bildung skizzieren. Im Kern wenden sie sich von der Re-Produktion des homo oeconomicus ab und wollen mithilfe von Problemorientierung, Multiperspektivität bzw. Interdisziplinarität, Wissenschaftsorientierung bzw. Pluralismus ein aufgeklärtes Verständnis von Wirtschaft fördern, innerhalb dessen Diskurse und nicht Interessenspolitik eine wichtige Rolle spielen. Was sich auf den ersten Blick als durchaus vereinbar darstellt, liegt in der (fachwissenschaftlichen) Auseinandersetzung argumentativ mitunter weit auseinander. Die Diskussionen werden z. B. geschürt durch stark gegensätzliche Positionen, die sich neben der curricularen Verankerung und der didaktisch-methodischen Ausgestaltung zentral um die Unterrichtsinhalte einer ökonomischen Bildung in der (allgemein bildenden) Schule drehen.

Ein vierter Text, den ich herausheben möchte, ist der Artikel von Andreas Liening (2011) zu E-Learning in der ökonomischen Bildung. Spannend finde ich dieses Papier deshalb, da der Autor darin konstruktivistisch-orientiertes, erfahrungsanaloges, problemorientiertes und/oder kooperatives Lernen mit E-Learning unterstützen möchte. Dieser inhaltliche Schluss ist für uns nicht neu und ich wage sogar zu behaupten, dass wir in Bezug auf Einsatzmöglichkeiten digitaler Medien in Lehr-Lehrkontexten bereits weiter sind (nämlich Momente der Instruktion und der Konstruktion wieder stärker zusammendenken). Im Kontext ökonomischer Bildung scheinen mir digitale Medien als Werkzeug aber durchaus eine Innovation zu sein – insbesondere dann, wenn man Vertreter einer ökonomischen Bildung eindeutig von solchen der beruflichen Bildung trennt, wo digitale Medien bereits seit längerem als Möglichkeit zur Verbindung von Lernorten (Stichwort: duales System) diskutiert werden und erste Beispiele für ihre Implementierung vorliegen.

Fazit: Alles in allem ein lesenswertes APuZ-Heft, das ich auch denjenigen ans Herz legen will, die sich sonst wenig mit Wirtschaft auseinandersetzen ;-)

PS: Ganz lieben Dank an Tamara für den hilfreichen Linktipp.

Quellen:

Famulla, G.-E., Fischer, A., Hetke, R., Weber, B. & Zurstrassen, B. (2011). Bessere ökonomische Bildung. Aus Politik und Zeitgeschichte. 12, 48–54.

Hedtke, R., Famulla, G.-E., Fischer, A., Weber, B. & Zurstrassen, B. (2010). Für eine bessere ökonomische Bildung! Kurzexpertise zum Gutachten „Ökonomische Bildung an allgemeinbildenden Schulen. Bildungsstandards. Standards für die Lehrerbildung im Auftrag des Gemeinschaftsausschusses der Deutschen Gewerblichen Wirtschaft“. Bielefeld: Initiative für eine bessere ökonomische Bildung.

Liening. A. (2011). E-Learning in der ökonomischen Bildung. Aus Politik und Zeitgeschichte. 12, 32–39.

May, H. (2011). Ökonomische Bildung als Allgemeinbildung. Aus Politik und Zeitgeschichte. 12, 3–9.

Retzmann, T. (2011). Kompetenzen und Standards der ökonomischen Bildung. Aus Politik und Zeitgeschichte. 12, 15–21.

Retzmann, T., Seeber, G., Remmele, B. & Jongebloed, H.-C. (2010). Ökonomische Bildung an allgemeinbildenden Schulen. Bildungsstandards. Standards für die Lehrerbildung. Gutachten im Auftrag des Gemeinschaftsausschusses der Deutschen Gewerblichen Wirtschaft. Berlin: Zentralverband des Deutschen Handwerks.

Wenn man im letzten Drittel der Doktorarbeit liegt und primär an der Arbeit schreibt, ist es (zumindest bei uns) ganz selbstverständlich geworden, Textteile mit anderen zu diskutieren, sei es mit Gabi als Betreuerin, mit anderen Doktoranden oder mit weiteren Personen, die sich für das eigene Thema interessieren. Da ich mit der Evaluation des Projekts business@school drei größere Bereiche untersuche, nämlich

  1. welche individuellen Kompetenzen bei den Projektbeteiligten (Schüler, Lehrer, Wirtschaftsvertreter) gefördert werden,
  2. welche soziokulturellen Veränderungen in Schulen und Unternehmen infolge der Teilnahme angestoßen werden und
  3. was man aus der Laufzeit des Projekts für weitere Projekte lernen kann,

bedarf es einer gemeinsamen Betrachtung des Projekts – sowohl hinsichtlich der empirischen Ergebnisse als auch auf metatheoretischer Ebene. Diese Ebene bildet in meiner Arbeit das Spannungsverhältnis von Bildung und Ökonomie, das immer zwischen normativen Ansprüchen und praktischem Nutzwert liegt und sich auf ganz unterschiedlichen Ebenen zeigt. Netterweise hat sich Frank gestern die Zeit genommen, sich dieses Einleitungskapitel näher anzusehen (danke!!) und mir entsprechendes Feedback zukommen lassen. Ein zentraler Hinweis betraf den antinomischen Blick, weshalb ich nochmals Schlömerkemper (z.B. 2010) herausgesucht und genauer nachgelesen habe.

„Damit [mit dem antinomischen Blick, Anm. S.H.] ist gemeint, dass unterschiedliche Deutungen einer Sache, die je für sich der Sache angemessen erscheinen, nicht gegeneinander ausgespielt werden, bis sich eine als die vermeintlich einzig zutreffende Geltung verschafft. Vielmehr soll geprüft werden, ob die eine Deutung mit der anderen durchaus vereinbar ist, weil diese in einer antinomischen Beziehung zueinander stehen und die Deutung sozusagen als Gegenspielerin der anderen mehr oder weniger und in wechselhafter Stärke bedeutsam sein kann.“ (Schlömerkemper, 2010, S. 164)

Der antinomische Blick bietet sich in dieser Betrachtungsweise immer dann an, wenn Phänomene nicht eindeutig zuzuordnen sind bzw. vielmehr einen „Doppelcharakter“ (ebd., S. 165) aufweisen.

Für meine Arbeit heißt das konkret, dass ich nicht gleich mit dem Doppelcharakter bzw. dem verbindenden Element von Bildung und Ökonomie einsteige, sondern zunächst das Wesentliche beider Perspektiven aufzeigen werde. Das erleichtert dem Leser, warum ich eine metatheoretische Betrachtung vorab benötige; umgekehrt bietet es aber auch Anker zur Interpretation der Empirie. Denn – je nach Blickwinkel – lassen sich hier die Daten verschieden auslegen. Gleichzeitig wird aber erst durch die Verschiedenheit von Bildung und Ökonomie deutlich, welchen Beitrag eine Bildung durch Kooperation leisten kann, die – so viel kann ich vorausschicken – ein zentrales Ergebnis meiner Arbeit sein wird.

Quelle:

Schlömerkemper, J. (2010). Konzepte pädagogischer Forschung. Eine Einführung in Hermeneutik und Empirie. Bad Heilbrunn: Klinkhardt.

Jetzt ist es tatsächlich auch bei mir drei Jahre her, dass ich mit dem Bloggen angefangen habe. Um es vorweg zu nehmen: Ich habe es nicht bereut ;-)

Ich erinnere mich aber noch gut daran, wie es überhaupt dazu kam, mit dem öffentlichen Schreiben zu beginnen: Am Ende meiner ersten Vorstellung im Doktorandenkolloquium habe ich die Frage gestellt, wie ich all die neuen Erfahrungen der Projektarbeit konservieren kann und mir gleichzeitig auch eine kritische Haltung zur Evaluation bewahre. Von Beginn an war mir nämlich klar, dass die Bearbeitung von Fragestellungen in Drittmittelprojekten immer auch ein Aushandlungsprozess ist. Rückblickend interessant ist, dass sich mein Blog in den letzten drei Jahren in eine etwas andere Richtung entwickelt hat: Aufgesetzt als direkte Begleitung meiner Dissertation sind die Themen längst allgemeiner geworden, mal mit einem Augenzwinkern zu gebrauchen oder auch zur längeren Reflexion gedacht. Das mag auch damit zu tun haben, dass die Evaluation, die Grundlage meiner Doktorarbeit ist, längst abgeschlossen ist, und ich inzwischen abstrakter über (ökonomische) Bildung nachdenke. Hinzu kommt sicherlich auch, dass man eine Dissertation nicht von Beginn bis zum Ende planen kann, selbst wenn man dies wollte: Es verändern sich Interessenlagen, damit zusammenhängend Fragestellungen und theoretische Rahmungen, vielleicht ergeben sich auch beruflich oder privat Neuerungen. Nicht selten hat man daher das Gefühl, sich mit der Doktorarbeit im Kreis zu drehen, auch wenn die Analogie des Kreises eigentlich gar nicht angebracht ist. So geht es doch vielmehr darum, sich an den Rändern eines längeren, kurvenreichen Wegs einzupendeln – und währenddessen permanent voranzuschreiten, stets das (vage) Ziel vor Augen. Denn eine Dissertation ist immer ein inhaltlicher und persönlicher Entwicklungsprozess, so viel ist klar.

Feststellen kann man auch, dass sich meine Blog-Einträge selbst massiv verändert haben: Früher war der Blog eher das für mich, was Twitter heute ist: Eine Möglichkeit, kurz auf interessante Links oder Neuigkeiten aus unterschiedlichen Bereichen hinzuweisen. Solche Einträge gibt es (so gut wie) nicht mehr an dieser Stelle. Stattdessen schreibe ich weniger Blogeinträge, die dafür länger sind und meist auch bei der Erstellung mehr Zeit einnehmen. Mit dieser Art zu schreiben, bin ich längst nicht allein: Immer wieder ist im Web zu lesen, dass sich Blogs über die letzten fünf (bis zehn?) Jahre gewandelt haben. Ich bin jedenfalls gespannt, wie es mit der Blog-Entwicklung im Anschluss an die Doktorarbeit nicht nur bei mir, sondern auch ganz generell weitergehen wird.

Mit dem Wechsel nach München hat Gabi einige Neuerungen im Doktorandenkolloquium eingeführt. Dazu gehört, dass wir fortan eine Woche vor der Präsentation unseres Arbeitsstandes ein Papier zum Status quo zunächst an Gabi verschicken und dies später bei Mahara allen Doktoranden zur Verfügung stellen. Das Papier soll alle Beteiligten auf die Präsentationen vorbereiten und auf das vergangene Semester zurückblicken. Wenn mehrere Arbeiten parallel laufen, ist es nämlich mitunter gar nicht so einfach, den Überblick über Inhalte und aktuelle Fragestellungen/Probleme der anderen Doktoranden zu behalten. Neben dem Rückblick soll das Papier aufgreifen, wo wir gerade stehen und wo wir die Hilfe der am Doktorandenkolloquium Beteiligten (Gabi, Alex, restliche Doktoranden, ggf. Gäste) brauchen. Während diese Ausführungen eher vorbereitenden Charakter haben, zielt die Reflexion im Anschluss der Präsentation darauf ab, die aus dem Kolloquium gewonnenen Erkenntnisse zu verschriftlichen und konkrete Folgerungen im Nachgang an den Präsenztermin auf etwa einer Seite zu formulieren.

Mit ein paar Tagen Abstand muss ich wirklich sagen, dass sich die Neuerungen gegenüber den letzten Jahren des Kolloquiums gelohnt haben: Natürlich hat man sich auch sonst Gedanken darüber gemacht, welche Inhalte man präsentiert und welche Schlüsse man aus den Anregungen der Anderen zieht. Dieses Mal hatte ich aber den Eindruck, dass alle Beteiligten sehr gut auf den jeweiligen Arbeitsstand vorbereitet waren und wir uns auf diese Weise schnell mit den Herausforderungen der einzelnen Arbeiten beschäftigen konnten. Teils haben wir uns sogar schon vor dem eigentlichen Kolloquium über die offenen Fragen ausgetauscht, sodass gleich mehrfach Feedback in die Arbeit einfließen konnte. Beides hat mich extrem positiv überrascht!

Ich war nun eine der ersten, die die Neuerungen umzusetzen hatte, und ich habe mich entschieden, bei der Formulierung des Arbeitsstandes, bei der Präsentation und entsprechend auch bei der Reflexion die Gliederung meiner Dissertation in den Vordergrund zu stellen: Obwohl der Fall schon eine Weile klar ist (business@school), der Titel der Arbeit im Prinzip steht (Lernen durch Kooperation) und auch die wesentlichen theoretischen Blöcke bereits vor längerer Zeit eingegrenzt wurden (Kompetenzentwicklung, Schulentwicklung, Personalentwicklung), gibt es doch bis zum Schluss einige Fragen zum Aufbau der Arbeit, zur Zuordnung von spezifischen Teilbereichen/-themen und zur Argumentationskette zu klären. Zur Gliederung habe ich daher jeweils kurz ausgeführt, was sich hinter den einzelnen Überschriften theoretisch wie empirisch verbirgt, jeweils offene Punkte genannt und wir haben dann gemeinsam nach passablen Lösungen gesucht (und im Normalfall auch welche gefunden :-)). Genauso gut kam es vor, dass die anderen Doktoranden etc. Verbesserungsvorschläge anhand meines Vorab-Papiers hatten, die ich meist gern aufgenommen und, falls nicht, nochmals die wichtigsten Gründe, die dagegen sprachen, genannt habe (was einen darin schult, den Ansatz seiner Arbeit zu „verteidigen“). Auch wurde mir nochmals klar, dass man sich beim Schreiben stets das Ziel der Arbeit bewusst machen muss. Auf diese Weise fällt es einem weitaus leichter, relevante Inhalte von nicht so relevanten Themen zu unterscheiden und sie entsprechend in der Arbeit zu berücksichtigen (oder eben nicht).

Die wichtigsten Learnings aus dem Kolloquium vom Freitag, die ich schließlich auch in der Reflexion festgehalten habe, lassen sich daher vor allem in den relevanten Inhalten und in der Schärfung des roten Fadens festmachen. Allerdings habe ich auch festgehalten, dass ich mir ab sofort mehr Zeit für das Schreiben freischaufeln muss. Insofern kann gut sein, dass ich in den nächsten Wochen und Monaten nicht so regelmäßig im Blog von mir hören lasse. Ich hoffe, Ihr könnt das nachvollziehen und bleibt mir trotzdem treu ;-)

Als besonders förderliche und hinderliche Faktoren bei der Implementierung von Schulinnovationen werden oftmals die Charakteristika der Neuerung, die Organisation mit ihren Akteuren und Strukturen sowie der lokale Kontext benannt (z.B. Altrichter & Wiesinger, 2005; Rogers, 1995): Denn zunächst beeinflusst die Innovation, inwieweit diese als wichtig erachtet wird. Bietet sie Lösungen für wahrgenommene Probleme, sind ihre Ziele und einzusetzende Mittel eindeutig erkennbar, ist sie in ihrer Ganzheit erfassbar, zeichnet sie sich durch eine hohe Qualität, durch inhaltlich-kontextuelle Passung und Praktikabilität in der Umsetzung aus, so kann man hierin förderliche wie auch hinderliche Faktoren ausmachen. Inwieweit die Leitung einer Organisation sich für die Innovation einsetzt, also Zustimmung (Commitment) und eigenes Engagement bei der Umsetzung zeigt, zusätzliche Ressourcen und Fortbildungsmöglichkeiten beschafft sowie das Engagement einzelner Beteiligter fordert, fördert und anerkennt, kann sich ebenso positiv wie auch negativ auf die Implementierung auf personaler Ebene der Organisation auswirken. Darüber hinaus kommt es bei den Lehrern und bei den Schülern auf die vorhandenen Kompetenzen und Einstellungen an. Sollte ein Innovationsvorschlag z.B. unklar oder überfordernd sein, kann Unterstützung rasch ausbleiben. Auf struktureller Ebene ist von Bedeutung, inwieweit die Innovation zu den strategischen Zielen der Organisation passt und sich in Strukturen und Prozesse vor Ort einfügt. Dazu gehören z.B. Anreizsysteme und Karrieremuster sowie bestehende Curricula und Assessmentformen. Im Hinblick auf den lokalen Kontext lassen sich die regionale Verwaltung, das direkte Umfeld mit den unterschiedlichen Anspruchsgruppen und die politisch-strukturellen Rahmenbedingungen einer Organisation als innovationsförderlich oder -hemmend ausmachen. Auch die Veränderlichkeit der Schule als Ganzes nimmt Einfluss auf die Implementation von Schulinnovationen.

Am letzten Freitag habe ich den Stand meiner Arbeit im Doktorandenkolloquium vorgestellt. Während die letzten Präsentationen einen starken Fokus auf business@school legten, ging es dieses Mal stärker um die theoretische Verortung des Schule-Wirtschaft-Projekts. Wenn man das eigentliche Vorhaben der Arbeit zugrunde legt, nämlich die Herausforderungen an eine Zusammenarbeit von Ökonomie und Bildung zu klären, liegt die wohl größte Schwierigkeit meiner Diss darin, unterschiedliche theoretische Bezugsrahmen miteinander in Bezug zu bringen. Dies ist nicht immer einfach; allein schon die Sprache ist in der BWL und in der Pädagogik derart unterschiedlich, dass man Begriffe etc. nicht vorbehaltlos übertragen kann. Darüber hinaus ist der Blickwinkel der Disziplinen sehr verschieden: Während in der BWL eher die Organisation als Ganzes anvisiert wird, ist es in der Pädagogik das Individuum. Auch aus pragmatischen Gründen (Zeit!) werde ich mich daher davon verabschieden müssen, in meiner Arbeit diese Metaebene ausführlich beschreiben bzw. klären zu können. Stattdessen rücken „kleinere“ Konzepte in den Mittelpunkt, die von ihrer Anlage viele Schnittstellen zu den jeweils anderen Fächern besitzen und alle die Person in den Mittelpunkt stellen.

So kommt es nicht von ungefähr, dass ich mich im Bereich BWL von nun an stark auf das Corporate Volunteering (CV) konzentrieren werde. Dies hat unbestritten den Vorteil, dass auch das Projekt business@school als ehrenamtliches Mitarbeiterengagement von Unternehmen positioniert wird und ich mich infolgedessen dort gut auskenne. Hinzu kommt die Aktualität des Themas, da dem CV-Engagement von Unternehmen als Instrument der Personalentwicklung starkes Wachstum prophezeit wird. Darüber hinaus spielt „betriebliche Freiwilligenarbeit […] auch engagementpolitisch eine wichtige Rolle. Denn für viele gerade jüngere Mitarbeiter stellen solche Angebote erstmalig einen Kontakt zu ehrenamtlichem und bürgerschaftlichem Engagement her und bilden so einen Türöffner für das Ehrenamt.“ (Habisch, 2003, S. 8) Betrachtet man all die Facetten von CV in seiner Ganzheit, landet man schnell wieder beim Ausgangspunkt: Ökonomie und Bildung. So soll es – trotz abgespeckter Inhalte – weiter sein.

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