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Gabi hat schon vor wenigen Tagen darauf hingewiesen, dass erste Ergebnisse unserer groß angelegten business@school-Studie inzwischen online verfügbar sind. Mit der heute verschickten Pressemitteilung gibt es einen Auszug aus der Studie auch als Printversion bei BCG zu bestellen. Der Blick in die Ergebnisse lohnt sich allemal: So finden sich in der Studie Erkenntnisse zur Kompetenzentwicklung von Schülern, Lehrern und Wirtschaftsvertretern, zur Schulentwicklung mit einem besonderen Schwerpunkt auf Unterrichts- und Personalentwicklung und zum Corporate Volunteering, dem ehrenamtlichen Mitarbeiterengagement von Unternehmen. Diese Breite an Ergebnissen deutet auch darauf hin, dass die Evaluation selbst sehr aufwändig angelegt war. In der Publikation mag es zwar nun so erscheinen, als hätten die „harten Fakten“ in Form von Prozentwerten viel mehr Wert – das stimmt allerdings nur vordergründig. Die vielen Schulbesuche vor Ort und die zahlreichen informellen Gespräche haben uns stark dabei geholfen, die quantitativen Daten einzuschätzen bzw. vor dem Hintergrund der Erfahrungen der Beteiligten zu interpretieren. Schließlich kannten wir das Projekt vor der Evaluation nicht, hielten es aber vor allem wegen des didaktischen Designs für untersuchenswert.

Etwa zwei Jahre nach Projektbeginn kann ich so auch behaupten, dass sich die Evaluation aus mehreren Gründen gelohnt hat: Zunächst einmal bot das Evaluationsprojekt interessante Einblicke in die Organisation Schule, die ich seit meiner eigenen Schulzeit nicht mehr von innen gesehen hatte. Dann erhielt ich durch die theoretische Aufbereitung die Chance, Konzepte unterschiedlicher Disziplinen miteinander zu verzahnen – gerade das Corporate Volunteering ist hier zu nennen, das zwar seinen Urspung in der Personalentwicklung hat, aber dennoch vorwiegend aus betriebswirtschaftlicher (praxisorientierter) Perspektive betrachtet wird. Als „Grenzgängerin“ hat mir diese permanente integrative Sichtweise besonders viel Spaß gemacht. Nicht zu verachten ist auch, dass mir das Evaluationsprojekt die Möglichkeit gegeben hat, nach Abschluss meines Studiums an der Uni Augsburg zu bleiben und in einem sehr coolen Team zu arbeiten – ganz herzlichen Dank an der Stelle dafür. Ich hoffe, ich kann mich vor allem bei Euch, Silvia und Tamara, mit dem einen oder anderen Pretest revanchieren – Ihr habt jedenfalls mehr als ein Dutzend davon bei mir gut.

Nachtrag (18.5.2009): Die zentralen Evaluationsergebnisse sind jetzt auch auf der imb-Website im Bereich Publikationen verfügbar.

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Passend zum Start des Sommersemesters ist die neue w.e.b.Square-Ausgabe zum Thema „Hier drücken, da drehen“ online verfügbar. Wie der Titel bereits vermuten lässt, beschäftigt sich das aktuelle Themenheft vor allem mit (medien-)didaktischen Arrangements und nimmt hierzu unterschiedliche Organisationen bzw. Kontexte in den Blick. Besonders hinweisen möchte ich an dieser Stelle auf den Artikel von Mareike und Tamara: Sie haben ihre Erfahrungen mit dem Lernen durch Lehren in einem meiner letzten Seminare skizziert. Sehr interessant :-) Von besonderem Mehrwert dürften auch die erstmals dargestellten Ergebnisse zu den AV-Mediendiensten sein: Unter dem Titel „Gute Einschaltquoten für Vorlesungsmitschnitt“ wird der Nutzen von Videoaufzeichnungen in der Hochschullehre am Einzelfall aufgezeigt. Daneben stehen zahlreiche Abschlussarbeiten rund um Didaktik zum Download bereit. Ihr seht: Die neue w.e.b.Square-Ausgabe hat wieder ein breites Portfolio an Themen zu bieten und zwar nicht nur für diejenigen, die sich mit dem Medieneinsatz in der Lehre beschäftigen. Schaut einfach mal rein.

In diesen Tagen kommt man fast nicht darum herum, über Genderfragen zu sprechen – immerhin fand gestern der Girl’s und an vielen Orten parallel auch der Boy’s Day statt. Zu einer Zeit initiiert, als Frauen stärker in typische Männerberufe hineinschnuppern sollten, frage ich mich inzwischen schon, inwieweit genderspezifische Berufsvorbereitung notwendig ist. Schließlich stehen frau – zumindest formal – alle Wege der Berufswahl offen. Abseits von Genderfragen halte ich es schon für spannender, nach der Bedeutung eines Berufsinformationstags an Mamas oder Papas Seite zu fragen (in vielen Unternehmen gehen die Kinder mit den Eltern zur Arbeit): Die Vererbung von Berufen findet längst nicht mehr statt; vielmehr sind es persönliche Erfahrungen und vor allem Peers, die den Einfluss auf die Studien- und Berufswahl prägen (siehe weiterführend Beinke, 2004 und 2006). So nutzen solche „Tage der offenen Tür“ aus Schülersicht ganz global, um praxisorientierte Einblicke in die Arbeitswelt zu bekommen – und zwar Mädchen wie Jungen. Erst heute findet sich schließlich ein Artikel bei Spiegel-Online darüber, wie planlos Abiturienten in punkto Berufsorientierung sind. Und in meiner Heimatzeitung wurde schon gestern darüber berichtet, dass der Boy’s Day die Jungs nicht recht erreicht – wen wundert’s. Klingt der Name doch ziemlich uncool und vor allem nach einem Abklatsch. Ich würde für ein neues „Label“ plädieren. Wie das genau heißen soll, muss ich mir noch überlegen.

Wenn ich mich recht erinnere, bin ich seit 2003 an den Schüler-Info-Tagen der Universität Augsburg beteiligt. In den ersten Jahren war ich vorwiegend als Fachschaftsvertreterin anwesend, seit dem letzten Jahr darf ich die Lehrendensicht vertreten (ich habe vor knapp einem Jahr ausführlicher darüber berichtet). Man könnte jetzt meinen, die Schüler-Info-Tage sind immer wieder dasselbe, es würden jedes Jahr auf’s Neue ähnliche Fragen gestellt und man könnte folglich immer wieder ein Programm „abspulen“. Entweder machen wir etwas falsch oder die Uni bewegt sich doch mehr, als wir es glauben: Denn wir sind zwar sehr routiniert im Umgang mit den Schülerfragen vor Ort, aber das Aktualisieren der Folien sorgt im Vorfeld für einige Mühen (und für einigen Koordinationsaufwand bei Alex ;-)).

Außerdem werden wir am kommenden Samstag erstmals das neue MuK-Curriculum vorstellen, das ab dem Wintersemester 2009/2010 zum Einsatz kommt. Am Kern des Studiengangs verändert sich nicht viel, aber eben doch so viel, dass ich mich auf die Vorstellung der Inhalte anders als in den letzten Jahren vorbereiten muss. Interessant wird natürlich auch sein, wie der leicht veränderte Aufbau des „MuK 2.0“ bei den Studieninteressierten ankommt. Etwas verschulter als bisher ermöglicht er meines Erachtens doch einen rascheren Überblick bzw. Einstieg in die konkreten Inhalte. Zudem gefällt mir die vernetzte „Logik“ hinter dem Curriculum, die auch aus Studierendensicht attraktiv sein dürfte.

Neben den konkreten Inhalten unseres „Slots“ fällt übrigens auch auf, dass die SIT in diesem Jahr an nur einem Tag und dazu noch am Wochenende stattfinden. Dies geht vermutlich zurück auf das große Engagement und Bemühen der Studienberatung, die mit der Aktion möglichst viele Studieninteressierte erreichen möchte. Ich finde das grundsätzlich gut und hoffe darauf, dass viele Abiturienten die Chance nutzen werden, sich vor Bewerbungsschluss nochmals über das MuK-Studium in Augsburg zu informieren. Immerhin ist es mit der Studien- und Berufsorientierung in der Schule nach wie vor schlecht bestellt; nicht wenige Abiturierenten wissen erst „kurz vor knapp“, was sie werden möchten… und greifen folglich auch öfters einmal daneben. Das ist gewiss nicht schlimm; aber ich frage mich doch, warum niemand das Problem in den Griff bekommt, die Lücke zwischen Schule und Hochschule ernsthaft zu schließen und endlich die berufliche Orientierung von Jugendlichen zu erleichtern.

Einen Schritt in die richtige Richtung geht aktuell die Robert-Bosch-Stiftung: Sie fördert z. B. Projekte, die Schüler, Studierende und (Geistes-)Wissenschaftler näher zusammenbringen (danke an Timo für den Tipp!). An sich wäre das etwas für unseren KaffeePod, allerdings sollten wir wohl erst unsere Hausaufgaben machen und nicht den x-ten Schritt vor dem ersten tun. Jetzt warten wir erst einmal gespannt, was sich am Samstag tut.

Zum Notieren: Schüler-Info-Tag 2009 am 25. April in der Universität Augsburg; Vorstellung des MuK-Studiengangs von 13.00 bis 14.00 Uhr in Hörsaal I; Abiturienten, Studieninteressierte, Eltern etc. herzlich eingeladen Löcher in den Bauch zu fragen!

Nach Karnevalsfeierlichkeiten und gefühlter virtueller Versenkung ist es nun wieder an der Zeit, ein paar Worte in meinem Blog zu verlieren. Anlass für den heutigen Post ist aber vor allem Gabis gestriger Eintrag, bei dem sie über den KaffeePod berichtet und damit für alle Außenstehenden klärt, was Tamara und ich dauernd mit dem Insider „Lass uns Kaffeetrinken gehen“ gemeint haben ;-)

Aber von vorn: Im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2009 wurden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler dazu aufgerufen, zukunftsweisende Konzepte für die Kommunikation zwischen Wissenschaft und Gesellschaft einzureichen. Dabei sollte ein besonderes Augenmerk auf die Wissenschaftskommunikation gegenüber Schülern gelegt werden, da diese – so meine Annahme – stärker als bisher für Wissenschaft begeistert werden sollen. Bei der Gelegenheit haben wir ein etwas älteres Konzept zur Herstellung eines Forschungspodcasts wieder ausgegraben und auf unsere (neuen) Bedürfnisse angepasst. Der KaffeePod mit curricularer Einbettung und interdisziplinärem Anspruch ist entstanden. Auch wenn das Konzept den Machern des Wissenschaftsjahrs 2009 nicht gefallen hat – Gründe kennen wir nicht (vielleicht sind wir mit dem Ansatz digitale Medien in Lehre und Öffentlichkeitsarbeit einzusetzen noch zu „neu“?). Jedenfalls lassen wir uns nicht entmutigen und denken seit Jahresbeginn tapfer an der Idee weiter. Immerhin sind wir beim betacampus in der zweiten Runde, was auch nicht zu verachten ist.

So werden wir ab Sommersemester in die tatsächliche Podcast-Produktion einsteigen – Tamara bietet ein Seminar zum KaffeePod an und ich übernehme die Mentorenrolle im Begleitstudium. In Kooperation mit dem Referat für Öffentlichkeitsarbeit der Uni Augsburg steigen wir doch in das Wissenschaftsjahr 2009 ein (ja, man höre und staune) und planen die Zusammenarbeit mit Schülerzeitungsredakteuren der Region Augsburg (eine schöne Art, wie ich finde, Hochschule weiter zu öffnen!). Zusammen mit dem Medienlabor, mit Alex und hoffentlich mit einigen anderen fleißigen Helfern (wer unterstützen will/kann, soll sich melden ;-)) werden wir die KaffeePod-Plattform umsetzen. Dabei nutzen wir eine (mindestens) duale Strategie. So werden wir den KaffeePod künftig nicht nur auf unserer eigenen Seite distribuieren, sondern auch bei iTunes U einstellen und erweiterte Möglichkeiten als das „Nur“-Downloaden erlauben (Stichwort: Mitmachweb). Noch steckt alles in den Kinderschuhen, sodass ich nicht mehr Infos bieten kann. Ich bin aber sehr zuversichtlich, dass das Projekt gut anlaufen wird. Immerhin haben wir viel Zeit in die Planung investiert, können auf zahlreiche Erfahrungen mit der Detektei Suni & Partner (was die Produktion und den Vertrieb von Podcasts angeht) sowie mit w.e.b.Square (was die Einbindung in das Curriculum betrifft) zurückgreifen und davon für den KaffeePod lernen. Ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht.

Gerade lese ich auf Zeit-Online einen Nachruf. Dabei geht es nicht (wie sonst) um einen unlängst verstorbenen Politiker, Medienmenschen oder sonst wen. Es geht um die „gute, alte“ Tafel. Whiteboards sollen sie ablösen, werden an Schulen und von Vertretern der Kultusministerien bereits gefeiert.

Ist die Tafel wirklich out?

Der Autor des Artikels, Arnfrid Schenk, meint zum Tod der Tafel: „Vieles wird mit ihr verschwinden, kein Tafeldienst mehr, keine Kreideschlachten, keine Schwammwürfe mehr, keine Lehrerkarikaturen mehr, die beim Aufklappen für hektisches Wischen des Porträtierten sorgten. Auch manche Ausrede wird flachfallen: ’Tschuldigung, ich kann die Formel nicht lesen, die Tafel spiegelt so. Auch die Aufgabe, Kreide zu holen, die man aus Solidarität mit den Hinterbänklern gerne ausdehnte – aus, vorbei.“ (ebd.) Gute, alte Zeit.

Aus Schülersicht ein Verlust, aus Lehrersicht auch?

Doch nicht nur die Schüler, auch die Lehrer sind vom „Ende der Kreidezeit“ betroffen. Der Autor stellt sich daher die durchaus berechtigte Frage: „[…] wird die Mehrheit der Lehrer sie je bedienen können? Die meisten sind doch schon am Videorecorder gescheitert.“ (ebd.) Ich hatte gehofft, dass sich Schule zumindest in dem Punkt verändert hat…

Den Abschied versüßen

Zum Abschied gibt es dann noch ein letztes Mal den Klang der Kreide zu hören und  das Geräusch, das ein Fingernagel macht, wenn die Kreide zu kurz war. Hach, ich werde sie auch vermissen – ein bisschen jedenfalls.

… meint zumindest der Berliner Bildungstheoretiker Heinz-Elmar Tenorth im aktuellen Interview mit dem Uni-Spiegel. Er bezieht sich dabei auf die Auslegung des Humbolt’schen Bildungsideals, was gerne als „zweckfrei“ hingestellt wird: „Humboldt wurde und wird missbraucht, um Interessen durchzusetzen. Meist dient er als Traditionskeule: Es darf sich nichts ändern, was laut Mythos ihm, Humboldt, zugeschrieben wird.“ (ebd., S. 2) Auf die Frage, wie unser Bildungssystem aussehen würde, wenn Humboldts Prinzipien fest verankert worden wären, antwortet der Forscher zudem: „Unsere Schulen wären eigenständiger, lokal stärker verankert und dort in der Verantwortung, staatlich finanziert, aber nicht gegängelt. Wir hätten eine Gesellschaft, die viel in Bildung investiert, wie Humboldt das forderte. Humboldt hinterlässt uns insofern eine Vision.“ (ebd., S. 1) In jedem Fall ein interessantes Interview, das mit diversen Vorurteilen/Meinungen aufräumt. Achso, was Bildung eigentlich ist, wurde neulich auch in der FAZ besprochen; ein ebenso lesenswerter Artikel für diejenigen, die sich mit dem Thema auseinander setzen (wollen).

Im Kern wird kaum jemand behaupten, dass Ökonomische Bildung unwichtig sei. Schließlich werden immer mehr Prozesse in der Lebens- und Arbeitswelt ökonomisiert und man sollte dabei in der Lage sein, den Überblick zu behalten bzw. sich verantwortlich entscheiden zu können. Problematisch wird es erst, wenn es um die formale Integration von Ökonomischer Bildung in die einzelnen Curricula geht. Hier gibt es nach wie vor eine große Zurückhaltung, bspw. gegenüber einem Fach „Wirtschaft“. Ursachen liegen vor allem in dem Verständnis von Bildung bzw. in der Auslegung des humanistischen Bildungsideals, das in Deutschland nach wie vor große Tradition hat. Ohne an dieser Stelle zu sehr werten zu wollen, möchte ich auf einen Text von Andreas Liening (2004) hinweisen, auf den Frank mich vor ein paar Tagen aufmerksam gemacht hat (danke!). Der Autor zeigt aus meiner Sicht die Bedeutung Ökonomischer Bildung schlüssig auf und formuliert dabei Gedanken, wie man diese als Teil von (humanistischer) Allgemeinbildung verstehen kann. „Wenn die Ökonomische Bildung eines Bürgers theoretisch an der Fähigkeit gemessen werden kann, ob er Verantwortung im Wirtschaftsleben tragen kann, also ökonomisch begründet Entscheidungen treffen, Handlungssituationen mit ökonomischen Konzepten analysieren, sich z.B. konstruktiv an der Weiterentwicklung der Wirtschaftsordnung beteiligen, sich kritisch aufgeschlossen gegenüber der Grundordung der Sozialen Marktwirtschaft zeigen kann etc., dann muss als Konsequenz eine Integration Ökonomischer Bildung in die Allgemeinbildung gefordert werden.“ (ebd., S. 15) Neben der klar positiven Haltung gegenüber Ökonomischer Bildung in den einzelnen Curricula weist Liening darauf hin, dass wissenschaftsanaloges Lernen für ein Fach „Wirtschaft“ nicht ausreiche (ebd, S. 7). Vielmehr zeigt er auf, warum insbesondere Ökonomische Bildung erfahrungsanalog vermittelt werden sollte. Dazu gehören seiner Meinung nach das entdeckende Lernen nach Bruner (1972) und das verstehende Lernen nach Klafki (1989) genauso wie das genetische Lernen (z.B. Wagenschein, 1975). Erfahrungen im Wirtschaftsalltag würden so zum Horinzont, vor dem Wissen auf seine praktische Bedeutsamkeit hin geprüft wird (ebd., S. 10). Er folgert schließlich: „Ökonomische Bildung ist das Tertium comparationis zwischen Wirtschaftswissenschaft und Erfahrung im Wirtschaftsalltag.“ (ebd.) Wenn man den Text so liest und vor allem die Erfahrungen mit dem Wirtschaftsprojekt business@school hinzuzieht, kann man diese Überlegungen guten Gewissens unterstreichen. Allerdings – und da bin ich bei der Relativiertung – sollte man nicht vergessen, dass es neben der Wirtschaft auch andere Fächer/Disziplinen gibt. Will man möglichst breite Lehrpläne beibehalten, besteht die große Herausforderung darin, alle Ansprüche (wie auch immer) „unter einen Hut“ zu bekommen.

Heute wurde die neue JIM-Studie vom Medienpädagogischen Forschungsverband Südwest (2008) veröffentlicht. Im Fokus steht wie gewohnt der Medienalltag von 12- bis 19-jährigen. Dabei kann einmal mehr gezeigt werden, dass das Internet für Jugendliche nicht mehr wegzudenken ist. Aber von vorn.

Einen schönen Abriss über die sich ständig wandelne Medienwelt liefert der Einstieg in die Studie:

„Die letzten zehn Jahre waren durch einen enormen Wandel des Medienangebots geprägt. Während sich in den Neunzigerjahren die Fernsehwelt stark verändert hat, ist das vergangene Jahrzehnt durch die rasante technische und inhaltliche Entwicklung von Handy und Internet geprägt. Fernsehen, Radio und Tageszeitung sind inzwischen multimediale Realität, die Ausspielung der Inhalte erfolgt über zahlreiche Kanäle, die Nutzer können mit den unterschiedlichsten Endgeräten auf die Inhalte zugreifen, Begriffe wie „fernsehen“ oder „Radio hören“ verlieren ihre Eindeutigkeit. Die Konvergenz der Medien steht dabei erst am Anfang, zählt aber insbesondere in den Bereichen Musik und Internet bereits zum Alltag Jugendlicher.“ (ebd., S. 3)

Fast schon erschreckend, wie schnell sich Zeiten ändern…

Bei der Durchsicht der JIM-Studie habe ich dann nur wenige Highlights entdeckt. Gut, erstmals besitzen Jugendliche eher einen Computer als einen Fernseher und sie sind generell gut mit Medien (Computer, Internet, Fernsehen, Handy) versorgt. Das Internet nutzen sie hauptsächlich zur Kommunikation. Was beruhigt: Jugendliche pflegen ihre Kontakte trotz schülerVZ und Co. nicht nur virtuell, sondern treffen Freude regelmäßig in natura und gehen ebenso oft zum Sport.

Angesichts der großen Sorge um die Zukunft des Prints bin ich über die Zahlen zur Medienbeschäftigung gestolpert: In ihrem Alltag nutzen zwölf Prozent der Jugendlichen regelmäßig das Internetangebot einer Tageszeitung und zehn Prozent das von Zeitschriften. 43 Prozent lesen dagegen regelmäßig eine Tageszeitung in gedruckter Form (vgl. ebd., S. 12). Trotz der Dominanz der digitalen Medien im Alltag halten die meisten Jugendlichen die Zeitung jedoch für das glaubwürdigste Medium, was den klassischen Medien Auftrieb geben sollte.

Jugendliche sind zudem in der Lage, das Fernsehrogramm differenziert zu bewerten. Allerdings muss man kritischer sein, was ihre Nutzung von Online-Communities angeht. Dort denkt nicht jeder Jugendliche über den sachgerechten Umgang mit sensiblen Daten und über die faire Behandlung von Gleichaltrigen nach (vgl. ebd., S. 52ff).

Warum Online Communities letztlich genutzt werden, klärt die eher qualitativ angelegte Zusatzbefragung „JIMplus 2008“:

„Als wichtigsten Grund für die Nutzung von Online-Communities wurde dabei zunächst das Thema „Freunde“ in all seinen Facetten genannt: Alle Freunde sind auch dort eingetragen, man kann Freunde (wieder) finden und neue kennenlernen, man kann mit Freunden in Kontakt bleiben oder treten, sich schreiben und austauschen. Ein weiterer wichtiger Aspekt sind Fotos, denn der Austausch und die Kontaktaufnahme findet natürlich auch auf der bildlichen Ebene statt. Man präsentiert sich selbst und schaut, wie die anderen sich darstellen, Bilder gemeinsamer Aktivitäten halten das Erlebte fest und zeigen denen, die nicht dabei waren, was sie versäumt haben.“ (ebd., S. 55)

Wie so oft zeigen sich auch in dieser JIM-Studie Unterschiede nach dem formalen Bildungsgrad der Jugendlichen. Allerdings gleichen sich zumindest die Verbreitungs- und Nutzungszahlen von Computer bzw. Internet langsam an, was grundsätzlich positiv zu bewerten ist.

In der gestrigen Phoenix-Runde wurde heiß über die neuen PISA-Ergebnisse diskutiert. Es ging viel um die Schule, aber auch um das deutsche Bildungssystem generell und um die Wirksamkeit von Testverfahren zur Erhebung von (Schüler-)Leistungen. Eine interessante Sendung für all dienigen, die sich mit Bildungsthemen auseinander setzen (und angesichts unserer Workshopreihe mit der Hanns-Seidel-Stiftung eine schöne Ergänzung zum aktuellen Stand der Diskussionen).

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