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… macht Hamburg! Mein Blog ist umgezogen und ab sofort erreichbar unter http://www.sandrahofhues.de/ Ich würde mich freuen, wenn viele von Euch auch an anderer Stelle vorbeisurfen oder die Feeds abonnieren (zum Artikel-Feed, zum Kommentar-Feed). Bald gibt es dann auch wieder inhaltliche Beiträge. Stay tuned :-)

Wer sich mit Social Networks beschäftigt, kommt kaum umhin, sich auch dem Aspekt der Sicherheit im Netz zu widmen. In meinen Veranstaltungen thematisiere ich dies meist, wenn ich Blogs, Twitter oder Wikis zur Prozessorganisation und Reflexion der Lehre einsetze, da diese Werkzeuge in der Regel öffentlich genutzt werden. Das schon ältere Video „Think before you post“ leistet hier immer noch gute Dienste. Mit einem etwas stärkerem Fokus auf Kinder und ihr Online-Verhalten beschäftigt sich nun ein anderes Video des Family Online Safety Institute. Es ist untermalt mit vielen Zahlen rund um Online-Nutzung bzw. Mediennutzungsverhalten und thematisiert so medienkritisch z. B. auch das Cyberbullying. In jedem Fall ist es sehr sehenswert und eignet sich allemal zur Einführung in die vielen Facetten des Sicherheitsthemas im Rahmen von Lehre und Weiterbildung.

Danke an 9er für den Tipp! :-)

Trendstudien sind ja generell eher mit Vorsicht zu genießen. Sie blicken aus dem Jetzt in die Zukunft und beurteilen letztere mit dem Wissen von heute. Trotzdem gelingen manche Positionspapiere mit Blick auf morgen besser als andere. Dazu gehört in meinen Augen auch ein Beitrag von Peter Posch und Herbert Altrichter, der mit „Schulen 2020“ überschrieben ist und wo die Autoren anhand aktueller gesellschaftlicher Entwicklungstendenzen mutmaßen, was Herausforderungen für die künftige Schule sein könnten. Sie schlagen dabei die Brücke von vier zentralen Herausforderungen, die Schulen schon heute betreffen und sich ihrer Ansicht nach weiter verstärken.

Trend 1: Veränderungen in der Arbeitswelt
Die Umbruchsituation in der Arbeitswelt führt nach Ansicht von Posch und Altrichter (2009, S. 31–32) dazu, dass sich auch Schule den veränderten Anforderungen stellen muss: So muss sie dafür sorgen, stets die Sinnhaftigkeit von Wissen zu vermitteln, auf dynamische Qualifikationen abzielen und gleichzeitig auch das nötige Selbstbewusstsein stärken, um in einer späteren (veränderten) Arbeitswelt zurecht zu kommen.

Trend 2: Veränderungen in der Sozialisation
Auch gehen die Autoren davon aus, dass die Sozialisation von Kindern und Jugendlichen in stärkerem Maße als heute dazu führt, dass Schulen „nicht nur ein Haus des Lernens, sondern auch Lebensraum bzw. soziales und kulturelles Zentrum“ (Posch & Altrichter, 2009, S. 33) werden. Für das Zusammenleben werden dann konkrete (neue) Regeln gebraucht, unter anderem bedingt durch die Normalität der Ganztagsschule. Unbestritten zum Alltag des Lehrens und Lernens gehören Internet und digitale Medien. Neben ihrem fachwissenschaftlichen Hintergrund werden Lehrer stärker als bisher dazu aufgefordert sein, ihr Fach auch gesellschaftsbezogen anzuwenden.

Trend 3: Zunehmende Dezentralisierung
Seit den 1990er Jahren wird die wachsende Autonomie der Einzelschule beschrieben, mitunter ist auch von der unternehmerischen Schule zu lesen. Schulen erhalten derart immer mehr Entscheidungsspielräume, die auch ausgefüllt werden müssen. Auf diese Weise kommt der Qualität von Schule und im Spannungsfeld interner Erfordernisse und externer Ansprüche immer mehr Gewicht bei. Auch die Arbeitsbedingungen von Lehrern geraten in den Fokus, um die Zufriedenheit bei der Lehrtätigkeit zu erhöhen. Denkbar ist überdies, dass den Schülern wachsende Handlungsspielräume und Gestaltungsmöglichkeiten, kurz: Partizipationschancen, eingeräumt werden (ebd., S. 34–35).

Trend 4: Wachsende Heterogenität
Posch und Altrichter (2009, S. 35–37) gehen zudem davon aus, dass die Schule in zehn Jahren mit einer in hohem Maße heterogenen Schülerschaft umgehen muss. Diese Vielfalt führt dazu, dass die Bedeutung interkultureller Kommunikation auch im Schulalltag steigt. Zugleich müssen Lehrer umfassende Diagnosekompetenzen besitzen, um Lernen gemäß individueller Voraussetzungen zu gestalten. Modelle gemeinsamer bzw. integrierter Schule werden zugleich zur Selbstverständlichkeit.

Nach der Durchsicht vieler und disziplinär durchaus unterschiedlich akzentuierter Publikationen im Kontext meiner Dissertation habe ich den Eindruck, dass die Autoren mit ihrem Blick auf aktuelle Trends und daraus resultierenden Herausforderungen genau den Kern der Debatten um Schulentwicklung als Organisationsentwicklung treffen. Spannend ist dabei auch, dass sich die Diskussionen über die letzten (mindestens) zwanzig Jahre nicht großartig unterscheiden: Es mögen im Detail Themen hinzugekommen sein, aber im Prinzip geht es allen Veröffentlichungen zu Schulentwicklung um die Modernisierung einer Organisation, die sich stets auch dem öffentlichen Urteil stellen muss, was gute Schule ist und wie man diese beständig, aber reflektiert erneuern kann.


Quelle:
Posch, P. & Altrichter, H. (2009). Schulen 2020 – Projektionen aufgrund gesellschaftlicher Entwicklungstendenzen. In D. Bosse & P. Posch (Hrsg.), Schule 2020 aus Expertensicht. Zur Zukunft von Schule, Unterricht und Lehrerbildung (S. 31–37). Wiesbaden: VS.

In letzter Zeit erhalte ich sehr viele Anfragen aus total unterschiedlichen Bereichen, welche E-Learning-Tools man denn verwenden sollte/könnte/dürfte. Fragen dieser Art sind natürlich grundsätzlich schwierig und die Beantwortung hängt vom Kontext ab, in dem die Werkzeuge eingesetzt werden sollen. Für einen ersten Überblick verschicke ich regelmäßig einen Link zu den Top100 Tools for Learning, die von Jane Hart und Team seit einigen Jahren gesammelt werden. Es gibt sicher viele Tools, die in den Aufführungen gar nicht gelistet werden, aber doch zeigt sich anhand dieser Liste immer wieder gut, welche Werkzeuge sich überhaupt im Einsatz befinden, welche davon aktuell sind und welche den ersten Hype offensichtlich überschritten haben. Insofern lohnt sich Jahr für Jahr der erneute Blick in die Präsentation – so auch in die Fassung 2010, bei der Dropbox (wen wundert’s) einen rasanten Aufstieg zu verzeichnen hat.

Ich weiß, eigentlich bin ich längst zu alt für Jugendmagazine. Aber man ist ja immer so alt, wie man sich fühlt! Außerdem gibt es dieses Mal einen guten Grund, um sich mal wieder ein Jugendmagazin zu Gemüte zu führen. Die aktuelle Ausgabe des fluter steht nämlich unter dem Motto Arbeit – und das geht uns alle etwas an! Die Ausgabe ist wirklich sehr ausgewogen und keineswegs nur für Gymnasiasten interessant. Vielmehr werden Facetten von Arbeit aufgezeigt und auch Vergleiche zwischen den Ländern angestrebt. Ich persönlich bin gleich beim ersten Interview hängen geblieben, beim bildungssoziologischen „Rundumschlag“ von Jutta Allmendinger. Auch wenn das Interview (zwangsläufig) an der Oberfläche bleibt, zeigt es doch auf, über welche Themen sich Bildungswissenschaftler aktuell Gedanken machen (müssen). Insofern lohnt sich der Blick in die Ausgabe allemal. Achso, das gesamte Heft gibt es (natürlich!) auch online.

Eine ganze Weile habe ich einen Band auf dem Tisch, der mit „Bildung und Schule auf dem Weg in die Wissensgesellschaft“ überschrieben ist und anlässlich des 65. Geburtstags von Renate Schulz-Zander herausgegeben wurde (Annabell und Gabi haben weit vor mir darüber berichtet). Ein paar Zugfahrten später will ich nun speziell einen Beitrag herausgreifen, an dem ich bei der Lektüre gedanklich hängen geblieben bin. Er lautet „Brücken bauen – Übergang von der Schule zur Hochschule“, ist von Heike Hunneshagen und behandelt ein Thema, das mich schon länger beschäftigt, nämlich die Studienwahl von jungen Erwachsenen. Der Zugang zum Thema erfolgt dabei recht klassisch, so dass primär nach dem Studienwahlverhalten von Mädchen und Jungen unterschieden wird. Hängen geblieben bin ich aber nicht wegen diesem Zugang oder den konkreten Ergebnissen zur Studienwahl, die am Beispiel der Ruhr-Uni Bochum aufgezeigt werden. Diese kann man ähnlich gut an den Zahlen des Statistischen Bundesamts ablesen und Konsequenzen letztlich täglich an der Uni „sehen“. Aufgefallen ist mir vielmehr eine Feststellung, die auf die Vertrautheit mit Berufen zurückgeht:

„Aufgrund der Zuschreibung von technisch-naturwissenschaftlichen Kompetenzen zur männlichen Lebenswelt ziehen sich Mädchen (z.T. unbewusst) aus dieser Domäne zurück.“ (Hunneshagen, 2010, S. 71)

Eine Aussage in dieser Deutlichkeit hatte ich mir im Jahr 2010 nicht erwartet – vielmehr war ich davon ausgegangen, dass sich (ob der vielen Projekte zur Stärkung des Selbstvertrauens von Mädchen) bei der Studien- und Berufswahl eindeutige Verschiebungen vor allem in Richtung der Naturwissenschaften ergeben. Dem ist offenbar nicht so. Es stellt sich daher (wohl oder übel) die Frage, inwiefern die aktuellen Projekte in ihrer Anzahl ausreichen, ob sie inhaltlich und mit dem Fokus auf Gender richtig angelegt sind und inwieweit sie aufgrund der Komplexität des zugrunde liegenden Studien- und Berufswahlprozesses überhaupt greifen (können). Denn die „Vererbung“ von Berufen findet nur noch in einem von zwei Fällen statt, wenn man Studien dazu glaubt (z.B. Beinke, 2004, 2006). Wichtiger werden hingegen Mentoren, die auch im Konzept von MINT eine Rolle spielen. Die Frage ist nur, über welchen Zeitraum sich die (positiven) Erfahrungen bei den (weiblichen) Schülern einstellen sollen, welche Bedeutung die Lehrer dabei einnehmen und vor allem auch, inwiefern die „Konkurrenz“ unter (potenziellen) Studiengängen und Berufen die zahlreichen Bemühungen mitunter wieder aufheben wird. Auch frage ich mich, ob Schüler nicht irgendwann mit den an sie gerichteten vielfältigen Erwartungen und Bemühungen überfordert sind. Aber das ist wohl ein anderes Thema.

Nachtrag 31. März 2010: Den Herausgeberband gibt es ab sofort auch bei Google-Books.

Beinke, L. (2006). Bildungsbarrieren im Schulsystem. In G. Seeber (2006), Die Zukunft des sozialen Sicherung – Herausforderungen für die ökonomische Bildung. Deutsche Gesellschaft für ökonomische Bildung. Wirtschafts- und berufspädagogische Schriften. Band 34 (S. 187-208). Bergisch Gladbach: Hobein.

Beinke, L. (2004). Berufsorientierung und peer-groups und die berufswahlspezifischen Formen der Lehrerrolle. Berlin: Bock.

Hunneshagen, H. (2010). Brücken bauen – Übergang von der Schule zur Hochschule. In B. Eickelmann (Hrsg.), Bildung und Schule auf dem Weg in die Wissensgesellschaft (S. 69-84). Münster: Waxmann.

Seit ein paar Tagen ist sie draußen, die neue JIM-Studie (MPFS, 2009), und endlich habe ich etwas Zeit gefunden, die wichtigsten Ergebnisse zusammenzufassen. Vorweg: Einmal mehr überraschen die Daten nicht (siehe Ergebnisse aus dem letzten Jahr). Die Medienausstattung unter Jugendlichen ist sehr gut; Handy, Computer und Internet gehören zu ihrem Alltag; immer mehr haben auch Digitalkameras, tragbare Spielekonsolen und Flachbildfernseher. Bildungsspezifische Unterschiede gibt es in Bezug auf die Zugänglichkeit von Zeitungen/Zeitschriften. Unverändert legen Jugendliche großen Wert auf nicht-mediale Freizeitaktivitäten. Besonders gefragt sind Freundschaften pflegen, Sport und Nichtstun. Familienunternehmungen nehmen allgemein ab.

Bei den Themen, die Jugendliche interessieren, liegt Aktuelles vorn – eine Tatsache, die sich auch bei den Erwachsenen in der ARD-/ZDF-Online-Studie wiederspiegelt. Gefolgt werden die News von Informationen zu persönlichen Problemen und dem Thema Musik. An vierter Stelle folgt Ausbildung/Beruf, was ich im Hinblick auf unsere eigenen Aktivitäten mit dem KaffeePod sehr spannend finde. Allerdings muss man einschränkend sehen, dass das Interesse an Berufsorientierung bei Gymnasiasten nicht so stark ausgeprägt ist. „Mit zunehmendem Alter zeigt sich ein deutlich gesteigertes Interesse beim aktuellen Zeitgeschehen, persönlichen Problemen, Informationen zu Ausbildung und Beruf, politischen Themen und lokalen Konzerten. Ein abnehmendes Informationsbedürfnis kann man bei Sport, Computer- und Konsolenspielen und Stars feststellen.“ (ebd., S. 12)

Bevorzugte Informationsquelle ist das Internet, wobei Themen und die Wahl des Mediums zum Teil zusammenhängen (z.B. Mode und Zeitschriften). Dem Fernsehen wird eine große „Informationskompetenz“ (S. 12) nachgesagt, wobei ich davon ausgehe, dass mit dem Begriff etwas durcheinander geraten ist und inhaltlich vor allem die Selektion und die Glaubwürdigkeit der Information durch das Fernsehen gemeint ist. Später wird klar, dass die öffentlich-rechtlichen Sender nicht gerade zum Lieblingsprogramm der Jugendlichen gehören. Hinzu kommt der Siegeszug von Videoportalen wie YouTube und den Mediatheken, deren Angebote junge Leute in Zeiten der Medienkonvergenz mehr und mehr in Anspruch nehmen. Als zentraler Vorteil von audio-visuellen Medien wird dabei die Präsentation beschrieben, die eine verstärkte Konsumhaltung bei Jugendlichen hervorrufen, mehr noch: „Je niedriger die formale Bildung, desto stärker ist der Wunsch nach einer mehr passiven und strukturierten Nutzung.“ (ebd., S. 29)

Im Exkurs zur Bundestagswahl wird das Interesse an politischen Themen und der Zusammenhang mit der Mediennutzung sowie dem Bildungshintergrund der Jugendlichen erhoben. Angesichts der anderen Ergebnisse bei den Jugendlichen verwundert es kaum, dass das Internet als Informationsquelle auch bei Politik überwiegt. Hierin zeigt sich ein erheblicher Unterschied zu Erwachsenen (siehe Auswertung einer Studie zum Einfluss von Social Media auf die Wahlentscheidung). Als eklatant werden die Unterschiede nach Bildungsniveau bezeichnet: „So war die Bundestagswahl 2009 nur für ein gutes Drittel der Jugendlichen mit formal niedriger Bildung von Bedeutung, beim mittlerem Bildungsabschluss zeigte knapp die Hälfte Interesse. Unter den Abiturienten waren es drei Viertel. Bedenklich ist, dass etwa die Hälfte der Jugendlichen mit niedriger formaler Bildung gar kein Interesse an der Wahl der Volksvertreter bekundete.“ (ebd., S. 15) Familie und Freunde werden von 12 Prozent der Befragten als relevant für den Prozess der Informationsversorgung eingeschätzt.

Die Medienbeschäftigung unterscheidet sich weiterhin nach Geschlecht: „Mädchen wenden sich häufiger dem Fernseher zu, verwenden häufiger Handy und Internet und sie hören mehr Musik über Radio und CDs als Jungen. Besonders deutlich sind die Unterschiede beim Bücherlesen und der Digitalfotografie: hier ist der Anteil der Nutzer unter den Mädchen fast doppelt so hoch wie bei den Jungen.“ (ebd., S. 17)

Ab Seite 19 folgen Daten zur Wichtigkeit der einzelnen Medien nach Tagesablauf – interessant sind die Ergebnisse vor allem deshalb, weil es noch Unterschiede im Nutzungsverhalten gibt und die Daten etwa Aufschluss über die Versorgung mit dem „Überall-Internet“ bieten (nur zwei Prozent greifen bisher auf mobiles Internet zurück, ebd., S. 32). Darüber hinaus werden bestimmte Medien nach wie vor mit Freizeit verbunden – keine neue Erkenntnis, aber dennoch wichtig, sich diesen Aspekt permanent vor Augen zu führen, wenn man über Lernen außerhalb von genuinen Lernorten (z.B. Schulen, Hochschulen, Betrieben) nachdenkt. Trotzdem wird das Internet (natürlich, möchte man sagen) in der Hälfte aller Fälle täglich/mehrmals pro Woche genutzt (ebd., S. 37).

Die Ergebnisse zu Computerspielen möchte ich an dieser Stelle vernachlässigen und stattdessen lieber zu den Online-Communities und der Preisgabe persönlicher Daten kommen. Denn die Durchdringung mit Communities ist immens und das Verwischen von Privatsphäre und Öffentlichkeit ein ernstzunehmendes Problem – zumindest dann, wenn eine entsprechende Kompetenz im Umgang fehlt. „Alle Communities leben von der Kommunikations- und Präsentationsfreude ihrer Nutzer“ (ebd., S. 46) trifft Anspruch und Wirklichkeit einschlägiger Plattformen von meiner Ansicht nach ganz gut. Selbstdarstellungsdrang und Sorglosigkeit im Umgang mit privaten Daten führt schließlich dazu, „dass nicht einmal die Hälfte aller Nutzer von Online-Communities von der Privacy-Option Gebrauch machen“ (ebd., S. 47). Von der Preisgabe der Daten bis zu ihrem Missbrauch durch Dritte ist es dann nicht mehr weit.

Ganz interessant und ebenso bedenklich sind die Ergebnisse zum Online-Shopping, da bereits jeder fünfte 12-13-jährige als Käufer im Internet in Erscheinung getreten ist. Ähnlich kritisch stimmt mich die Handyausstattung, deren Kosten bei einem Drittel der Befragten über feste Verträge getilgt werden. Ohne großen Umweg kommen mir bei der Datenlage die Forderungen nach mehr ökonomischer Bildung in der Schule in den Sinn. Denn mit der Mediennutzung und entsprechenden -nutzungsszenarien gehen Chancen und Risiken einher. Die Studie endet daher mit folgender Einschätzung: „In Relation zu der massenhaften Nutzung dieser Medien halten sind die Missbrauchsfälle noch in Grenzen, allerdings ist das Potential dieser technischen Möglichkeiten nicht zu unterschätzen. Eine unbedachte Veröffentlichung von Bildern und Kommentaren kann viel Ärger bereiten und schnell zu einem Fall von Cyber-Mobbing werden. Hier sind Eltern, Pädagogen und auch die Anbieter gefragt, die Jugendlichen aufzuklären und auf ein verantwortungsbewusstes Verhalten im Internet hinzuarbeiten.“ (ebd, S. 61)

Ein abschließender Hinweis gilt dem Design: Seit Beginn der Langzeitstudie (1998) wurden einige Änderungen inhaltlicher Natur vorgenommen, die vor allem auf technische Neuerungen und damit verbundene Entwicklungen zurückzuführen sind. Dies gilt im Besonderen für die differenzierte Erfassung des Bereichs Film und für das Cyber-Mobbing, das ein größer werdendes Problem unter Jugendlichen ist (wen es thematisch interessiert: Tamara guckt in ihrer M.A.-Arbeit noch genauer hin). Ergänzt werden die quantitativen Ergebnisse mit qualitativen Daten aus der Studie JIMplus (weiterführende Infos zur Soziodemografie, zur Auswahlstrategie und zur Methode „Befragung“ finden sich auf S. 4).

Nachtrag 18.8.2010: Die Ergebnisse der Studie JIMplus sind inzwischen als übersichtlicher Foliensatz ebenso online verfügbar.

Quelle:

MPFS – Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest (2009). JIM-Studie 2009. Jugend, Information und (Multi-) Media. Basisuntersuchung zum Medienumgang 12- bis 19-Jähriger. Stuttgart: Landesanstalt für Kommunikation Baden-Württemberg. Online verfügbar unter: http://www.mpfs.de/fileadmin/JIM-pdf09/JIM-Studie2009.pdf (zuletzt 01.12.2009).

Bei der Lektüre eines Artikels von Gerald Sailmann bin ich (einmal mehr) auf einen schönen Ausspruch von William Carr (1942) gestoßen:

„Schulen sind wie Inseln, getrennt vom Festland des Lebens durch einen tiefen Graben der Konvention und Tradition. Die Zugbrücke wird für bestimmte Zeit während des Tages herabgelassen, damit die zeitweiligen Bewohner morgens auf die Insel und abends zurück zum Festland gehen können. Warum gehen diese jungen Menschen auf diese Inseln? Um zu lernen, wie man auf dem Festland lebt.“ (zitiert nach Keupp, 1999, S. 1, in Sailmann, 2008, S. 73)

Im Jahre 1942 nutzt Carr diese Analogie, um das Lernen auf Vorrat zu kritisieren. Obschon das Bild bereits damals etwas überzeichnet ist – Schulleiter und Lehrer pflegen laut Sailmann (2008) schon immer berufliche Kontakte zur Außenwelt – steckt ein wahrer Kern in ihr, wodurch sie bis heute Gültigkeit besitzt:

„Letztlich bleibt es […] der Einzelschule überlassen, entsprechend ihren Bedingungen vor Ort zu entscheiden, welche Beziehungen sie mit welchen konkreten Einrichtungen oder Personen eingeht.“ (Sailmann, 2008, S. 75)

Eine Erkenntnis, die mir bei der Re-Analyse der business@school-Daten für meine Diss ebenfalls oftmals kommt und wenigstens dort eine positive Wendung für die Zusammenarbeit von Schulen und Unternehmen erfährt.


Quelle: Sailmann, G. (2008). Kooperationsmanagement für Schulen. In R. Voss (Hrsg.), Innovatives Schulmanagement. Ansätze für ein effizientes Management von Schulen (S. 72–84). Gernsbach: Deutscher Betriebswirte-Verlag.

Als besonders förderliche und hinderliche Faktoren bei der Implementierung von Schulinnovationen werden oftmals die Charakteristika der Neuerung, die Organisation mit ihren Akteuren und Strukturen sowie der lokale Kontext benannt (z.B. Altrichter & Wiesinger, 2005; Rogers, 1995): Denn zunächst beeinflusst die Innovation, inwieweit diese als wichtig erachtet wird. Bietet sie Lösungen für wahrgenommene Probleme, sind ihre Ziele und einzusetzende Mittel eindeutig erkennbar, ist sie in ihrer Ganzheit erfassbar, zeichnet sie sich durch eine hohe Qualität, durch inhaltlich-kontextuelle Passung und Praktikabilität in der Umsetzung aus, so kann man hierin förderliche wie auch hinderliche Faktoren ausmachen. Inwieweit die Leitung einer Organisation sich für die Innovation einsetzt, also Zustimmung (Commitment) und eigenes Engagement bei der Umsetzung zeigt, zusätzliche Ressourcen und Fortbildungsmöglichkeiten beschafft sowie das Engagement einzelner Beteiligter fordert, fördert und anerkennt, kann sich ebenso positiv wie auch negativ auf die Implementierung auf personaler Ebene der Organisation auswirken. Darüber hinaus kommt es bei den Lehrern und bei den Schülern auf die vorhandenen Kompetenzen und Einstellungen an. Sollte ein Innovationsvorschlag z.B. unklar oder überfordernd sein, kann Unterstützung rasch ausbleiben. Auf struktureller Ebene ist von Bedeutung, inwieweit die Innovation zu den strategischen Zielen der Organisation passt und sich in Strukturen und Prozesse vor Ort einfügt. Dazu gehören z.B. Anreizsysteme und Karrieremuster sowie bestehende Curricula und Assessmentformen. Im Hinblick auf den lokalen Kontext lassen sich die regionale Verwaltung, das direkte Umfeld mit den unterschiedlichen Anspruchsgruppen und die politisch-strukturellen Rahmenbedingungen einer Organisation als innovationsförderlich oder -hemmend ausmachen. Auch die Veränderlichkeit der Schule als Ganzes nimmt Einfluss auf die Implementation von Schulinnovationen.

Die Uni steht niemals still – immer wieder passiert etwas Neues. Dieses Mal ist es ein Podcastproduktionstag, der mich neben dem „ganz normalen Wahnsinn“ auf Trab hält. Wir haben uns nämlich in den Kopf gesetzt, einen (kleinen) Teil der ersten KaffeePod-Ausgabe mit 20 Schülern, insbesondere Schülerzeitungsredakteuren, zu produzieren. Die Idee fußt dabei auf den Aktivitäten zum Wissenschaftsjahr 2009, die auch die Uni Augsburg erreicht haben. Zusammen mit dem Referat für Öffentlichkeitsarbeit suchen wir, d. h. allem voran Tamara und ich, interessierte Schüler, die am 27. Mai 2009 mit uns in die Medienproduktion hineinschnuppern möchten. Nach einem kurzen Interviewtraining geht es dabei gleich in die Praxis: Als Redakteure mit Mikro und mobilem Aufzeichnungsgerät ausgestattet, befragen die Schüler renommierte Wissenschaftler der Universität. Die Stimmen eingefangen, werden sie gemeinsam mit einigen Studierenden aus Tamaras Seminar das Schneiden erlernen. Nebenbei wird viel Zeit für Gespräche über den MuK-Studiengang, das Studium in Augsburg und das Studieren an sich sein. Eine (hoffentlich) spannende Sache – für alle Beteiligten.

PS: Wer sich für den Podcastproduktionstag anmelden möchte, schreibt bis zum 15. Mai 2009 eine E-Mail an Konstanze Frölich. Es sind noch Plätze frei!

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