Mit gefühlten vier Wochen Verspätung hat uns der Lehralltag zurück: Am vergangenen Montag hat das Sommersemester 2011 an bayerischen Unis begonnen. Man merkt das meistens an zwei recht einfachen Dingen: Es herrscht wieder Parkplatznot und die Cafete hat länger als zu Ferienzeiten geöffnet (in Zeiten einer evakuierten Mensa ist das wirklich die Erwähnung wert ;-)). Auch das E-Mail-Aufkommen steigt mit der Anmeldephase zu den Lehrveranstaltungen immens. Gerade zu Beginn des Semesters gibt es zwischen Studierenden und Lehrenden viel auszuhandeln. Das betrifft im Besonderen die Diskussion über Lehrinhalte und Prüfungsformen. Hinzu kommen Verwirrungen und Missverständnisse, die infolge unterschiedlicher Studien- und Prüfungsordnungen entstehen. Ich bin daher jedes Semester auf’s Neue froh, wenn die erste Woche überstanden ist und die ganzen organisatorischen Fragen, die im Zuge von Lehre auch anfallen, geklärt sind. Dann kann man sich nämlich den Inhalten widmen, und um die sollte sich Lehre ja eigentlich drehen.

In diesem Semester werde ich – neben altbewährten Angeboten im Begleitstudium – zwei Lehrveranstaltungen anbieten. Sie sind mit den Themen Wissenskommunikation und Online-Befragungen überschrieben und beide projektorientiert aufgebaut. Wer diesen Blog hier aufmerksam verfolgt, wird jetzt denken: Kenn ich doch! Und das stimmt auch. Beide Veranstaltungen gab es schon einmal und die Wiederholung der Themenbereiche ist vor allem Ausdruck dessen, dass inzwischen auch der MuK-Studiengang einer stärkeren Planung im Bachelor und im Master unterliegt. Es gibt einfach eine Vielzahl an Angeboten, die als Basislehre benötigt und vom „Stammpersonal“ übernommen werden. Da ich selbst etwas anders studiert habe (nämlich mit vielen Freiheiten), bin ich noch unschlüssig, ob diese Akkreditierungs-konforme Entwicklung nun gut oder schlecht ist. In jedem Fall erleichtert sich für die Studierenden die Semesterplanung: Sie wissen, dass bestimmte Angebote einfach regelmäßig „da“ sind und sie sich keine Sorgen machen müssen, etwas zu verpassen. Aus Perspektive der Lehrenden macht die Dopplung auch einiges leichter: Man muss Seminare nicht komplett aus dem Boden stampfen, was die sonst aufwändige didaktische Konzeption prinzipiell erleichtert.

Selbst bei gleichbleibendem Titel kann man allerdings Umstellungen vornehmen – und die betreffen vor allem das Projekt an sich, das im Verlauf der einzelnen Seminare durchgeführt wird. So habe ich mich in diesem Semester entschlossen, „vor der eigenen Haustür zu kehren“ und die Wissenskommunikation im MuK-Studiengang zu verbessern. Wie genau das aussehen wird, werden wir im Verlauf des Semesters sehen. In jedem Fall gibt es genügend Ankerpunkte dafür, um mit Wissensmanagement-Ideen bereits in der Universität anzufangen und nicht immer direkt „nach draußen“ zu gehen. Ähnlich offen wie die zu entwickelnden Wissensmanagement-Ideen sind auch die Themen, die im Seminar Online-Befragungen behandelt werden. Das Seminar ist im Sinne des forschenden Lernens so gestaltet, dass sich die Studierenden ihre Forschungsthemen selbst suchen, Forschungsfragen entwickeln, Fragebögen gestalten, die Umfragen durchführen, auswerten und interpretieren. Um den zeitlichen Aufwand der Themenfindung etwas zu reduzieren, sind die rahmengebenen Themen „E-Learning 2.0: zwischen Beteiligungsmodellen und neuen Herausforderungen“ sowie „Die Zukunft universitären Lernens: selbstorganisiert, offen und mobil?“. Hier bin ich besonders gespannt, in welche Richtung sich die Befragungen entwickeln – und hoffe, die Studierenden in dieser sehr offenen Art des Lernens gut unterstützen zu können. Auch wenn das mediale Angebot zuletzt nicht so stark genutzt wurde, darf auch dieses Semester wieder getwittert werden: Wissenskommunikation hat den Hashtag #wissko11 und wird Auskunft über den aktuellen Status der Projekte geben. Die Online-Befragungen sind mit #olibe11 versehen; dieser Hashtag wird insbesondere über neue/passende Studien in verwandten Themenbereichen aufmerksam machen.

In jedem Fall freue ich mich auf das neue Semester und die damit verbundenen Herausforderungen.