Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, zur Plagiatsaffäre um unseren Verteidigungsminister zu Guttenberg nichts zu schreiben. Erstens haben das schon einige andere vor mir getan, zweitens müsste ich ansonsten zwingend darüber bloggen, welche Bedeutung (politische) Strippenzieher in solchen mediatisierten Kontexten haben. Denn natürlich fällt auf, dass diese Affäre zu einem Zeitpunkt zu tage kommt, an dem repräsentative Umfragen den weiteren (politischen) Aufstieg des Ministers andeuten. An dieser Stelle braucht man keine Kommunikationswissenschaftlerin zu sein, um zu erkennen, dass im Hintergrund massiv gegen eine Person gearbeitet wurde und bestimmte Informationen gezielt an die Öffentlichkeit gelangten, wo sie am ehesten dienlich erschienen. Insofern wird die Affäre um zu Guttenberg immer auch als Beispiel für (Negative) Campaigning in Erinnerung bleiben.

Unabhängig von der Diskussion über eine Person und die Bedeutung des Doktorgrads für die Ausübung eines politischen Amts scheint mir auch die öffentliche Debatte über Wissenschaft besonders. So wird aktuell nicht nur im direkten Hochschulumfeld über das Plagiieren diskutiert, wo sich jeder wissenschaftlich Tätige regelmäßig mit Wissenschaftlichkeit auseinandersetzt, sondern auch zuhause oder am Stammtisch darüber gesprochen. Allerhand Personen unterhalten sich seitdem über den „Fall“ zu Guttenberg, über die Bedeutung einer Promotion, über Vertrauen in die Wissenschaft und Wahrheit generell. An diesen Diskussionen kann man folglich nicht nur ein kommunikationswissenschaftliches „Paradebeispiel“ für Agenda Setting ausmachen, sondern zwischen den Zeilen finden sich genauso, wenn auch diffuse, Annahmen über Wissenschaft, die man aus meiner Sicht keineswegs außer Acht lassen sollte – im Gegenteil: Vielmehr deuten sie darauf hin, dass die breite Bevölkerung nur wenig über wissenschaftliche Redlichkeit und im Prinzip auch über Aufgabe(n) und Funktion(en) von Wissenschaft weiß. Da ich selbst eine Menge von öffentlicher Wissenschaft halte, stellt sich mir vor allem die Frage, ob die vielen Debatten nun als ein grundsätzliches Interesse an Wissenschaft bzw. an Ergebnissen aus der Wissenschaft gedeutet werden dürfen oder ob die Affäre stattdessen eine Auseinandersetzung mit einer Person des öffentlichen Lebens bleibt, die in kurzer Zeit und ohne nennenswerte Konsequenzen wieder geht (und zwar so schnell, wie sie kam).

Für wissenschaftlich tätige Menschen ist die gegenwärtige Situation jedenfalls aus zwei Perspektiven spannend: erstens aus der Perspektive als politisch interessierter Bürger und zweitens aus der Perspektive des berufstätigen Wissenschaftlers, dessen täglich Brot aus Ehrlichkeit und Vertrauen in seine wissenschaftliche Leistung(-sfähigkeit) besteht. Enden möchte ich daher mit einem Video, das zwei Studierende im Rahmen des w.e.b.Square-Seminars produziert und bei unserer Tagung präsentiert haben. Als ob sie es geahnt hätten, steht dies unter dem Motto „Copy & Paste – Harmloses Verbrechen?“.

Den zugehörigen Artikel bezeichnen sie übrigens mit „Copy & Paste – Trend gefährdet Wissenschaft“ und läuten dabei schon im Januar eine studentische Debatte über ihr eigenes wissenschaftliches Handeln ein, die durch die aktuelle Affäre um zu Guttenberg sicherlich nachhaltigen Lernerfolg erzielte.