Vor einigen Wochen habe ich schon mal von meinem Seminar berichtet, das sich mit den Möglichkeiten digitaler Medien für Non-Profit-PR auseinandersetzt. Als Kontext, auch das hatte ich schon geschrieben, dient die Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft (GMW), da die letztjährige Jahrestagung viel Anlass zur Diskussion über den Medieneinsatz bot, dies allerdings wenig systematisch reflektiert wurde. Insofern war ich sehr gespannt auf den Ausgang des Seminars, dass sich zuerst theoretisch-konzeptionell, später dann empirisch-praktisch mit dem Thema auseinander gesetzt hat. Gestern fand nun die Abschlusspräsentation der Ergebnisse statt und mit Thomas Bodenmüller, Klaus Prem, Gabi ReinmannMandy Schiefner und Christian Spannagel waren eine ganze Reihe an externen Experten anwesend, um die im Seminar entstandenen (Kommunikations-)Konzepte der Studierenden zu beurteilen.

Ohne im Detail auf die einzelnen Ergebnisse einzugehen (wer daran interessiert ist, kann sich gern bei mir melden), möchte ich doch zwei Aspekte herausgreifen, die wir intensiv diskutiert haben und für die es aus meiner Sicht interessante Lösungsvorschläge seitens der Studierenden gibt:

  1. Christians gestriger Tweet „Twitter polarisiert“ zeigt sehr gut auf, dass Microblogging-Tools wie Twitter nicht von jedem gemocht werden, mehr noch: Sie spalten ein Stück weit die Nation. Dies deckt sich in etwa mit den eigenen Erfahrungen der Studierenden, die zum Teil erhebliche Schwierigkeiten mit dem Einsatz von (Micro-)Blogging im Seminarkontext hatten (siehe Seminarblog). Was lernen wir nun daraus? Ich denke, für Veranstaltungen muss man auf jeden Fall mitnehmen, dass der Twittereinsatz reflektiert erfolgen soll (eine Studierendengruppe hat hierzu eine Twitter-Etiquette entworfen) und dass der Einsatz nicht immer sinnvoll ist. Für den speziellen Fall von Tagungen wurde vorgeschlagen, dem Referenten die Entscheidung zu überlassen, ob und inwieweit Twitterwalls etc. in seinem Vortrag zugelassen werden. Diese Art der Filterung entspricht zwar nicht dem Prinzip von Web-2.0-Tools, dennoch finde ich den Ansatz, auf diese Weise die Bedürfnisse unterschiedlicher Gruppen zu berücksichtigen, spannend und vor allem wichtig für eine Annäherung unterschiedlicher Lager. Dazu passt auch, dass Vorschläge für die Integration von offenen, partzipativen Formaten in eine klassische Tagung erarbeitet wurden (von Gruppe 3 – Stichwort: offene Räume).
  2. Eine Idee, die eng mit der Konzeption von Veranstaltungen zusammenhängt, ist die Integration von Studierenden, um Tagungen einerseits zu öffnen, diese andererseits auch zum Lernraum zu machen. Der Ansatz gefällt mir deshalb sehr gut, weil es bislang nur eher spärlich gelingt, Studierende mit auf Tagungen zu bringen. Größte Hürde ist mit Sicherheit die Finanzierung, sodass es hier neue Modelle braucht. Aber selbst wenn das über Stipendien machbar wird, bleibt das Problem der gefühlten Zugehörigkeit. Ich denke, es ist eine sehr wichtige Rückmeldung der Studierenden, dass es aus ihrer Sicht recht schwierig ist, in den Kreis von Wissenschaftlern hinzuzustoßen. In der Folge verlieren sie (unter Umständen) die Lust an der Teilnahme. Wie motiviert man nun Studierende zur Teilnahme an wissenschaftlichen Veranstaltungen? Zunächst geht es wohl darum, ihnen vor Ort eine Aufgabe zu geben und ihnen die Umsetzung derselben zuzutrauen. Und zwar bewusst nicht nur organisatorisch-administrative Tätigkeiten, sondern auch die inhaltliche Ausgestaltung von Sessions oder ähnlichem. Darüber hinaus schlagen die Studierenden feste Kooperationen mit Universitäten vor, um die Vor- und Nachbereitung der Tagung zu gewährleisten. Auch wenn dies aufgrund sehr unterschiedlicher Voraussetzungen an Hochschulen mit Sicherheit nicht einfach ist, würde man auf diese Weise zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Studierende würden einerseits reale Probleme im Rahmen von Lehranstaltungen lösen können und andererseits in einen wissenschaftlichen Alltag (wenn man das denn möchte) hineinwachsen.

Die beiden Punkte weisen letztlich auf die vielen offenen Fragen im Anschluss des Seminars hin, die wir gestern nicht klären konnten. Durch die Kooperation mit der GMW wird das Seminar aber sicher Anknüpfungspunkte zur Veränderung von klassischen Veranstaltungsformaten liefern in eine Richtung, die Wissensaustausch nicht nur punktuell erlaubt, sondern auch über einen Zeitpunkt hinaus ermöglicht sowie neue oder bisher unerschlossene Zielgruppen mit Hilfe des Web 2.0 und anderen partizipativen Elementen anspricht.

Liebe Seminarteilnehmer: Vielen Dank für die tollen Präsentationen und ersten Anker – ich bin schon sehr gespannt auf die schriftliche Ausarbeitung Eurer Ideen und Konzepte!

Liebe externen Gäste: Danke nochmals für Euren Besuch und vor allem für den Anstoß intensiver Diskussionen!