Sonntag, 7.00 Uhr. Der Wecker klingelt – aufstehen! Irgendwas muss da schief gelaufen sein. Es ist Sonntag! Und es ist 7.00 Uhr. Warum, zum Himmel, muss ich aufstehen? Kurze Zeit später kommts mir: Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin! Schnell unter die Dusche gesprungen, die letzten Sachen von der Wäscheleine genommen und schwups ins Auto… nach Augsburg. Die Crew und das Hasi warten schon. Wer zum Himmel hat sich eigentlich ausgedacht, dass wir die Medida-Sache ernst nehmen und einen fetten Messestand durch die Republik schleppen? Hm, ich fürchte, ich bin nicht ganz unschuldig daran. Okay, Spruch besser weglassen. Lieber den Rest ausdrucken. Mist, auch das noch: Der Toner schmiert. Nach Plan A jetzt also Plan B: Copyshop. Dass wir auch immer bis zuletzt an den Präsis sitzen müssen. Wird schon… irgendwie.

Später, viel später, auf der Autobahn bei Leipzig. Es ist Stau und wir brauchen dringend ne Pause. Zum Glück kommt bald nen Parkplatz. Wo die anderen wohl sind? Das Auto abgestellt, aufs Klo gehüpft, dann Fata Morgana: ein blaues Auto! Die Jungs? Nein, das kann nicht sein – die sind bestimmt schon viel weiter! Vielleicht sind es doch die Jungs? Es sind die Jungs! Zufälle gibts. Und da drüben: ein Eismann. Der ahnt nicht, dass er heute das Geschäft seines Lebens macht. Oder doch? Einmal Vanille bitte. Danach Hexhex im Minutentakt: Wie heißt noch mal die Straße, in der wir wohnen? Wo treffen wir uns heute Abend? Und was ist das Hamy? Schöne, neue Welt.

Montag, 9.05 Uhr. In Hotels mit Etagenduschen fehlt definitiv die Werbung für Flipflops und Adiletten. Auch der Osram-Vertreter würde in den schweren Zeiten nach der Glühbirne neue Märkte entdecken. Vom Potenzial für Rohrreiniger und Milchlieferanten ganz zu schweigen. Auch sie hätten ihre wahre Freude… Aber ich schweife ab. Gleich ist E-Learning 2009.

Auf der Tagung angekommen, kommen auch die Schlotterknie. Okay, vielleicht nicht beim Thementisch. Da wissen wir immerhin sehr genau, was wir tun, wofür wir stehen und wie wir auf kritische Nachfragen reagieren. Also meistens jedenfalls. Aber es kommt ja immer anders als man denkt. Außerdem sind wir hier nicht an der Uni: Kam doch tatsächlich die Frage auf, ob wir nicht das Thema weiter vertiefen und überziehen können. Schöne, heile Welt. Beim Essen haben wir uns dann schnell verzogen – nötig haben wir es, so die Osnabrücker. Gelächter. Denn die halbe Pizzaria besteht aus Teilnehmern der E-Learning 2009. Zum Glück twittern sie es nicht gleich, denke ich noch. Und wir üben bis 1.00 Uhr – Medida – was sonst?

Am nächsten Tag dann der große Auftritt. Und zwar gleich zweimal. Bei aller Vorbereitung auf die Medida-Präsentation und auf die potenziellen Standgespräche wäre ich fast darüber hinweggekommen. KaffeePod, ja, der Launch steht an. Auch wenns komisch klingt: Ich war ganz froh über die Ablenkung! Und der Vortrag lehrt mich, einfach keine Notizen mehr zu machen. Und er lehrt mich auch, dass wir ernst genommen werden. Kommt tatsächlich später jemand am Messestand vorbei und sagt, dass er den KaffeePod gern kopieren würde. Ich hätte schließlich gesagt, Kopieren sei erlaubt. Er bleibt nicht der Einzige.

17.30 Uhr und ein paar Zerquetschte – Silvia und Mandy schreiben uns beinahe gleichzeitig auf Facebook, dass das Mikro im Raum der Medida-Hearings trotz Pause bereits an ist. Ups. Zu spät jetzt. Naja, Schlimmes haben wir nicht gesagt. Nur die Choreografie geklärt. Denn die Bestuhlung ist – sagen wir mal – suboptimal. Und als hätten wir es vorher geahnt – im Vortrag würdigen wir der Jury keines Blickes. Positiv sagen könnte man: Die ganze Aufmerksamkeit gilt dem Publikum. Obs Zufall ist, dass dieser Eindruck sich in der morgigen Preisvergabe widerspiegelt?

Am Mittwoch dann der Besuch der Medida-Jury am Stand – ein letztes Mal konzentrieren – Vollgas geben. Wir haben das Gefühl, ganz Augsburg steht hinter uns. Denn neben Twitter hat sich auch eine Parallelwelt in Facebook etabliert. Alle Nase lang neue gute Wünsche. Und erst die Innofantenbrandung im Sturm! Um 11.30 Uhr wird die Lage dann entspannter. Auch wegen der T-Shirts, die wir endlich ausziehen können.

Am frühen Nachmittag plötzlich große Aufregung: Wolfgang Neuhaus twittert „Liebe Jury, Wir sind alle für Augsburg!“ Ein kurzes Grinsen macht sich breit. Aber wer ist eigentlich alle? Und lässt sich die Jury beeinflussen? Wohl kaum…

Hätte ich um 16.35 Uhr den Presseverteiler des BMBF abonniert, hätte sich die ganze Spannung an dieser Stelle bei uns gelegt. Denn mit einer Pressemitteilung werden Journalisten über den Ausgang des Medida-Prix informiert. Gesprochen, geschweige denn geschrieben werden darf darüber noch nicht. Ein Embargo – durchaus nicht unüblich, um den Redaktionsschluss zu erwischen. Aber einmal mehr weiß die Presse (und lustigerweise auch der Pressesprecher der Uni Augsburg) vor den Preisträgern vom Gewinn. Gratulationen treffen bereits vor der Verleihung per Mail ein. Seltsam irgendwie.

Doch zum Glück hat uns niemand vorab informiert. So haben wir uns kräftig über den Publikumspreis gefreut. Und über den Ausgang des Medida-Finales bis in die frühen Morgenstunden mit vielen Beteiligten diskutiert. Sorry, falls wir da irgendwem das Ohr abgeknabbert haben.

Das Klassentreffen geht schließlich mit spannenden Gesprächen, leckerem Essen und in lockerer Runde am Donnerstagmittag zu Ende. Und auch mit Plänen für das kommende Jahr. Dazu bald mehr. Denn heute wird erst mal gewaschen wie die Weltmeister. Wie sich der Kreis schließt.

Warum dieser etwas andere Rückblick? Weil ich nicht über Keynotes und Sessions sprechen kann, da ich wegen der Konzentration auf den Medida-Prix nur wenige Vorträge selbst miterlebt und lediglich die abschließende Podiumsdiskussion live gesehen habe. Ich musste mir also meine Meinung über Gespräche und Blogs, vor allem aber über Twitter bilden. Dass das bisweilen verkürzend und/oder polarisierend sein kann, haben spätestens jetzt alle gelernt. Wer auf inhaltliche Einschätzungen jedoch nicht verzichten will, kann dies z.B. bei Gabi (Teil 1 und Teil 2), Mandy und Matthias, Michael Kerres oder Joachim Wedekind nachholen.

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