In diesen Tagen kommt man fast nicht darum herum, über Genderfragen zu sprechen – immerhin fand gestern der Girl’s und an vielen Orten parallel auch der Boy’s Day statt. Zu einer Zeit initiiert, als Frauen stärker in typische Männerberufe hineinschnuppern sollten, frage ich mich inzwischen schon, inwieweit genderspezifische Berufsvorbereitung notwendig ist. Schließlich stehen frau – zumindest formal – alle Wege der Berufswahl offen. Abseits von Genderfragen halte ich es schon für spannender, nach der Bedeutung eines Berufsinformationstags an Mamas oder Papas Seite zu fragen (in vielen Unternehmen gehen die Kinder mit den Eltern zur Arbeit): Die Vererbung von Berufen findet längst nicht mehr statt; vielmehr sind es persönliche Erfahrungen und vor allem Peers, die den Einfluss auf die Studien- und Berufswahl prägen (siehe weiterführend Beinke, 2004 und 2006). So nutzen solche „Tage der offenen Tür“ aus Schülersicht ganz global, um praxisorientierte Einblicke in die Arbeitswelt zu bekommen – und zwar Mädchen wie Jungen. Erst heute findet sich schließlich ein Artikel bei Spiegel-Online darüber, wie planlos Abiturienten in punkto Berufsorientierung sind. Und in meiner Heimatzeitung wurde schon gestern darüber berichtet, dass der Boy’s Day die Jungs nicht recht erreicht – wen wundert’s. Klingt der Name doch ziemlich uncool und vor allem nach einem Abklatsch. Ich würde für ein neues „Label“ plädieren. Wie das genau heißen soll, muss ich mir noch überlegen.