Manchmal könnte man den Eindruck haben, dass das lebenslange Lernen vor allem in Form von immer schöner werdenden PowerPoint-Präsentationen seinen Ausdruck findet. So kann auch ich von mir behaupten, mit der Verschönerung meiner Folien vergleichsweise viel Zeit zu verbringen – vergleichsweise zum Inhalt, denn der ist oft schnell beisammen. Das liegt natürlich auch daran, dass ich die visuelle Erscheinungsweise meiner Folien einigermaßen wichtig finde und mich inhaltlich (hoffe ich) auskenne.

Obwohl ich gern Folien bastle und mir das gut von der Hand geht, habe ich in diesem Semester wieder öfter Zettel und Stift bzw. die Tafel zur Hand genommen. Auf die Weise ist im „Du bist Deutschland“-Seminar z.B. ein Tafelbild zu Anforderungen an Non-Profit-PR oder im „w.e.b.Square“-Seminar ein Schaubild zum Eventmanagement entstanden. Natürlich hätte ich das Ganze auch als PowerPoint vorbereiten können, meine aber, dass sich die Studierenden auf diese Weise viel besser in das Thema eindenken konnten. Darüber hinaus haben wir über Ideen diskutiert, die in Artikeln etc. bisher nicht allzu ausführlich besprochen wurden. Auch hier ein klarer Mehrwert gegenüber der Frontallogik einer Präsentation (ich stehe vorn/Studierende hören zu) und offensichtlich ein Vorbild dafür, dass sich manche Studierende trauen, ihre Ideen ohne Folien vorzustellen. Stark!

Abgesehen davon bin ich nicht die Einzige, die das Präsentieren über alles an manchen Stellen für ungünstig hält. So haben wir auch gestern im Doktorandenkolloquium lange darüber diskutiert, was Präsentieren eigentlich heißt und was gutes Präsentieren tatsächlich beinhaltet. Unser Eindruck: Es geht oft um die Show, weniger um die dahinter stehenden Inhalte. Aus unserer Sicht ist das durchaus bedenklich, denn: Neben der Fähigkeit, eine Präsentation zu gestalten, geht es eindeutig auch darum, Inhalte gut strukturiert darzubieten, sie nicht so stark zu verkürzen, dass sie völlig interpretationsoffen sind. Zudem ist es wichtig, auf Fragen angemessen (und nicht beleidigt) reagieren und letztlich seinen Standpunkt argumentativ vertreten zu können (siehe weiterführend eine Zusammenstellung bei Stangl-Taller). Etwas Show darf sein, gerade wenn man Zuhörer/-schauer in seinen Bann ziehen will. Aber Vorsicht vor übertriebener Performance: Zumindest an der Uni kann man schnell herausfiltern, wer wirklich Ahnung hat und wer nur vorspielt, diese zu haben.

Eine Anekdote zum Schluss: Nicht lange ist es her, da entstand im studiVZ eine neue Gruppe: „Ich studiere PowerPoint.“ Das mit den Gruppenbildungen ist an sich nichts besonders, gründen sich doch Tag für Tag vermutlich tausende neuer Gruppen im studiVZ. Interessanter ist deshalb der Gruppenname und, wie der Lateiner sagt, nomen est omen: Denn die Gruppe ist eine Schöpfung von MuK-Studierenden aus Verzweiflung über den Stellenwert des Präsentierens in ihrem Studiengang… und ein Ausdruck ihres gefühlten Lernerfolgs.