Seitdem ich an der Uni Augsburg bin, habe ich mich v.a. für praxisnahe Lehre interessiert. Nicht, dass Ihr mich jetzt falsch versteht: Ich wollte mich als Studentin nicht drücken um theoretische, augenscheinlich komplexer erscheinende Veranstaltungen. Ich wollte auch nicht möglichst leicht an Punkte gelangen, wobei man mir das noch nicht mal zum Vorwurf machen könnte: Wer als Bachelor- oder Masterstudent im Semester 40 bis 50 Punkte macht, muss sich seine Veranstaltungen sehr genau aussuchen – gucken, wie er möglichst ökonomisch interessante und aufwändige Seminare mit weniger komplexen Veranstaltungen verbindet. Vorlesungen habe ich (soweit möglich) vermieden: Dasitzen auf unbequemen Stühlen, stundenlanges Zuhören und letztlich Auswendiglernen war noch nie meins (und wird es auch wohl nie werden)… Ja, praxisnahe Lehrveranstaltungen haben schon immer einen gewissen Reiz für mich versprüht. Man konnte sich unter dem Kontext etwas vorstellen, sich in die Situation hineindenken und möglichst realitätsnahe Problemlösungen erarbeiten. Denn oft stehen am Ende dieser Seminare konkrete Ergebnisse oder Artefakte. Letztere haben mich irgendwie fasziniert – wie kommt man schließlich auf eine Top-Idee? Allzu oft saßen wir bis weit in die Nacht zusammen, brüteten über Ideen und uns fiel einfach nichts ein. Erst kurz vor Abgabe hatten wir passable Einfälle: in der Cafete, in der Küche von Freunden, auf Parties, sonst irgendwo. Mit praxisnaher Lehre verbinde ich daher v.a. ein intensives Lernerlebnis, das ich in Vorlesungen nie erfahren habe. Wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum ich mich bis heute am ehesten an die Seminare erinnern kann, die neben dem Aufwand besonders eins gemacht haben: Spaß. Klar hatte ich in vielen Momenten Glück, gerade was die damit verbundene Gruppenarbeit angeht. Meistens waren meine Teams bereits so eingespielt, dass bestimmte Rollen und Zuständigkeiten ohne lang zu diskutieren vergeben waren. Die intensiven eigenen Erfahrungen sind es jedenfalls, die mich heute als Lehrende dazu bewegen, selbst praxisnahe Seminare anzubieten und damit Studierenden die Gelegenheit für jene Flow-Gefühle zu geben, die mich früher angespornt haben.

Dass stark problemorientierte Konzepte in der Lehre aufgehen, hat mir z.B. mein Seminar im letzten Sommersemester gezeigt. Im Anschluss an theoretischen Input zum Thema Corporate Social Responsibility folgte eine ausgedehnte Praxisphase in Kooperation mit einem börsennotierten Unternehmen der Region. Währenddessen haben die Studierenden alle Höhen und Tiefen eines Projektseminars durchlaufen, wie ich sie noch aus meiner Zeit als Studentin kannte (die ja nicht allzu lang her ist): Ratlosigkeit und unausgereifte Ideen zu Beginn, nett gemeintes, aber doch sehr kritisches Feedback aus dem Plenum, Phasen der Enttäuschung und kleinere Streitigkeiten in der Gruppe. Und zum Schluss: viele Ideen, die sich messen können mit denen professioneller Agenturen im Bereich Nachhaltigkeit. Dies bestätigt schließlich auch der Praxispartner und bittet einige Studierende Ende des Monats zum erneuten Gespräch. Dann geht es um die Verwertung der besten Kampagnen-Ideen – was ein toller Erfolg ist, wie ich finde. Sicherlich werden jetzt einige Kritiker sagen, ob das Ziel von universitärer Lehre sein muss, dass studentische Leistungen Verwertung in der Wirtschaft finden. Dies ist – auch aus meiner Sicht – klar zu verneinen. Sie muss nicht direkt verwertbar sein, gibt es doch viele Beispiele von problemorientierten Veranstaltungen, die ähnliche (Lern-) Effekte erzielen, ohne dabei eine Wirtschaftskooperation im Nacken zu haben. Abgesehen davon soll Universität auch nicht ein billiger Ersatz für professionelle Agenturen oder Beratungseinrichtungen sein, um deren Marketing mit originellen Maßnahmen oder frischen Ideen zu unterstützen. Dennoch halte ich es für legitim und empfinde es als besondere Auszeichnung, dass diese – im Falle sehr guter Ergebnisse – weiter verwendet werden. Zu diskutieren ist, inwieweit die Leistung dann vergütet wird… Ja, das leidige Geld.

Heute habe ich übrigens mein Seminarangebot für das Sommersemester 2009 zusammen gestellt – es lautet: Corporate Volunteering – Imagebildung oder Personalentwicklung? Projektarbeit/Praxis natürlich inklusive.