Sonntagabend. Eintrag meiner Cousine im ICQ: „Lernen! Diese Woche Lernstandserhebungen“. Seitdem ich in Bayern lebe, habe ich den Eindruck, geht das Schulsystem in NRW etwas an mir vorbei. Lernstandserhebungen? Ich kann mir natürlich grob etwas darunter vorstellen, auf Nachfrage habe ich dann Genaueres erfahren: Bei einer Lernstandserhebung geht es darum, z.B. bei Achtklässlern den Stoff der 5. bis zur 8. Klasse zu prüfen. Geprüft werden die Fächer Mathe, Deutsch und Englisch. Lernen wie für eine Klausur kann man in dem Fall nicht. Soll man auch nicht, wenn nach dem Schulmisterium NRW geht. Schließlich sollen durch die Erhebung Stärken und Schwächen („Kompetenzniveaus“) einzelner Schüler/Schulen herausgelesen und die Ergebnisse für eine gezieltere Förderung eingesetzt werden. Aus Sicht von Lehrern, Schulen und Ministerium sicher eine super Sache – für Eltern vielleicht auch, weil sie bei Bedarf erfahren, was ihre Kinder im Vergleich mit anderen Schülern können. Für Schüler selbst ist das aber eine ganz schön schwierige Situation: Auf der einen Seite wollen sie gut abschneiden – für sich selbst, für ihre Eltern und für ihre Lehrer, die sie normalerweise unterrichten und bewerten. Auf der anderen Seite ist völlig klar, dass Schüler kaum in jedem Fach gleich gut sind/sein werden. Mich würde in dem Zusammenhang mal interessieren, inwieweit die Ergebnisse bei den Lernstandserhebungen dann tatsächlich auch für Schul- und Unterrichtsentwicklung genutzt werden. In der Auswertung der letzten Lernstandserhebung (2007) heißt es dazu nur optimistisch: „Eine solche schulübergreifende Einordnung der Ergebnisse hilft den Schulen, den Erfolg ihrer pädagogischen Arbeit besser einzuschätzen.“ (ebd., S. 1) Liebe Lehrer, wenn Ihr das lest: Welchen Nutzen haben die Lernstandserhebungen wirklich?

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