In letzter Zeit beschäftige ich mich wieder mit dem Thema Berufswahl – insbesondere vor dem Hintergrund, was Gymnasien zur beruflichen Orientierung von Jugendlichen beitragen sollten. Dabei stößt man gewöhnlich auf zwei Positionen: Die eine verortet sich im Humanismus, die andere ist offen für neue Sinnzusammenhänge in der Schule und damit – wenn man so will – praxis- bzw. wirtschaftsnah. Unter allen Definitionen liegt mir bisher Bildung als sozialpraktischer Begriff am Nächsten. Demnach sind Kinder und Jugendliche mit „Kenntnissen, Fähigkeiten, Einsichten und Werthaltungen“ (Kaminski 1999, 13) auszustatten, damit sie „ihre eigene individuelle und soziale Identität entwickeln können und befähigt werden, jene in gegenwärtigen bzw. zukünftigen Situationen zu bewältigen, die sie im privaten, beruflichen und öffentlichen Bereich treffen“ (ebd.). Gymnasien sollten also nicht nur auf die Lebens-, sondern auch auf die Arbeitswelt vorbereiten. Es genügt bspw. nicht, bloße Berufsinformationen zur Verfügung zu stellen. Herausforderung ist es vielmehr, die Berufswahl zu begleiten – eine Hilfestellung zu bieten, wie Schüler mit einer unübersichtlichen Zahl an Informationen umgehen sollen (vgl. Beinke 2006, 191). Letztere kann gewiss unterschiedlich ausfallen. In Nordrhein-Westfalen werden z.B. im Rahmen der Initiative Zukunft fördern Berufsberater in jede Schule geholt. Um Interesse und eine kritische Haltung gegenüber Wirtschaft zu fördern, werden deutschlandweit wirtschaftsnahe Projekte in der Schule eingesetzt. Stellschraube bleiben jedoch die Lehrpläne: Auch hier würde die verstärkte Integration ökonomischer Inhalte sicher nicht schaden.