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Gerade lese ich in der vorletzten brand eins über „das große Missverständnis“: Missverständnis in dem Sinne, als dass das Internet nach Meinung des Autors Matthias Hannemann wie geschaffen ist für effiziente PR, doch Unternehmen trotz oder eben wegen der technologischen Entwicklung in Sachen Öffentlichkeitsarbeit dort an ihre Grenzen stoßen. Die Betrachtung der (nicht mehr ganz so) neuen Internettechnologie vor dem Hintergrund der Veränderungen, die derzeit auf Unternehmenskommunikation einprasseln, ist dabei überaus interessant – allein schon deshalb, weil man daran sehr gut erkennen kann, wie schwerfällig manche Unternehmen auf Entwicklungen und Trends (zwangsläufig?) reagieren, obschon diese nicht mehr wegzudiskutieren sind. Spannend auch deswegen, weil in dem Beitrag einmal mehr Generationenkonflikte in der Benutzung von Technologien angesprochen werden. Zur Untermalung der Thesen wird Georg Kolb, Experte für soziale Medien bei Pleon (Düsseldorf), herangezogen. Die (aus meiner Sicht) wichtigsten Zitate und Kommentare:
- „Die Zeiten einer reinen Einbahnstraßen-Kommunikation sind ebenso vorbei wie jene der Standardkampagnen und „Kommunikatoren, die strenge Kontrolle gewohnt sind“.“ (ebd., S. 127)
- „“Nicht jedes Unternehmen braucht einen Blog“, sagt Georg Kolb, „nicht jeder Mitarbeiter hat dafür Zeit, und natürlich ist auch Manager-Blog sinnlos, wenn er nicht authentisch ist. In Zeiten aber, in denen Werbung kein Kampf mehr um Lautstärke ist, kommt es auch darauf an, seine Grenzen zu definieren.“" (ebd., S. 128)
- „Sie [die Unternehmen] sind irritiert von Nachrichten, einzelne soziale Netzwerke hätten ihren Zenit bereits wieder überschritten, ermattet von der Vielzahl ausgerufener Hypes im Internet, genervt vom Amateurkult im Web 2.0 und geplagt von einer Marketing-Sprache, in der es von sogenannten Buzzwords nur so wimmelt.“ (ebd., S. 128)
- „Alle, mit denen er in seiner Branche zusammenarbeitet, sind ständig erreichbar, unentwegt online, stets auf der Suche nach dem neuesten Trend. „Die Menschen da draußen“, denkt er dann, „sind es eben nicht alle. Das dürfen wir nicht aus den Augen verlieren.“" (ebd., S. 129)
- „Angesichts solcher Entwicklungen dürfen Unternehmen nicht untätig bleiben. Schließlich ist das Verlangen nach ehrlicher, freundlicher und transparenter Kommunkation so groß wie nie. Doch mit dem Versuch, das Gespräch mit hinterhältigen Manipulationen und „Tricksereien“ unter Kontrolle zu behalten, erreicht man das Gegenteil: Misstrauen statt Austausch, Dialogverweigerung statt Dialog.“ (ebd., S. 129)
Viele Ausführungen sind sehr treffend (wenn auch pointiert) formuliert. Es wird daher weiter spannend zu beobachten sein, wie Unternehmen auf Trends bzw. Hypes fortan reagieren. Wohl immer geben wird es Vorreiter und Nachzügler – ähnlich wie es auch beim Lehren und Lernen mit der Integration von digitalen Medien oft der Fall ist.
In der aktuellen „weltzeit“ (S. 12f.) findet sich ein interessantes Interview zur politischen Kommunikation im Internet. Im Fokus steht Thomas Gensemer, Partner von Blue State Digital und Obama-Wahlkampfmanager. Er spricht über den letzten US-Wahlkampf und auch über (Denk-)Fehler, die hierzulande im Online-Wahlkampf gemacht werden. Im Kopf bleiben z.B. Aussagen wie „100.000 E-Mail-Adressen sind wichtiger als eine Million Follower bei Twitter“. Anhänger des Direktmarketing werden das mit großer Sicherheit unterschreiben, zumal auf diesem Weg eine direkte Ansprache von Wählern möglich ist. Da die Gruppe potenziell unentschlossener Wähler bekanntermaßen klein ist, gewinnt die direkte, vor allem auch emotionale Ansprache an Bedeutung.
Ergänzt wird das Gespräch um ausgewählte Ergebnisse zur Glaubwürdigkeit von politischen Informationen in unterschiedlichen Medien. Die W3B-Studie von Fittkau und Maaß (leider nur für viel Geld bestellbar) zeigt dabei auf, dass das Fernsehen in punkto Glaubwürdigkeit vor dem Internet liegt – überraschend, immerhin schneiden sonst vor allem die Qualitätszeitungen weit besser ab. Interessant sind die Ergebnisse auch im Hinblick auf die genutzten Informationsquellen im Internet: So liegen die Websites von Zeitschriften/Zeitungen, die von öffentlich-rechtlichen und privaten TV-Sendern deutlich vor Internetangeboten der Bundesregierung und ebenso weit vor Social Networks, Blogs und Co. Man kann damit begründet zu dem Schluss kommen, dass letztere im deutschen Wahlkampf nur eine untergeordnete Rolle spielen (im Artikel heißt es dazu: „Derzeit sei das Internet hierzulande für einen Wahlkampf „à la Obama“ noch nicht bereit.“ (ebd., S. 13)).
Wenn man sich Tag für Tag im Internet bewegt, kann man sich kaum vorstellen, dass es Menschen gibt, die dies nicht nutzen. Doch es gibt sie… noch, wie der neue (N)Onliner-Atlas zeigt:
- Auf den ersten Blick sehe ich wenig Überraschendes in der Studie; es gibt sie nach wie vor, die Internet-Abstinenten, doch ihre Zahl sinkt kontinuierlich.
- Den größten Zuwachs an Onlinern verzeichnen Bundesländer wie Bremen und das Saarland, auch wenn etwa das Saarland weiterhin viele Offliner zu verzeichnen hat.
- Interessant finde ich, dass nach wie vor Männer häufiger online sind als Frauen (ebd., S. 15). Eklatant ist der Unterschied bei Senioren: Hier sind dreimal so viele Männer online als Frauen (siehe S. 48ff.).
- Positiv ist dagegen die Internet-Nutzung unter Schülern: Hier sind insgesamt 97% als Onliner zu bezeichnen. Auch diejenigen mit „formal einfachem“ Bildungshintergrund werden sukzessive erreicht, allerdings in Ostdeutschland etwas seltener als in Westdeutschland.
- Ein Zusammenhang scheint auch zwischen Berufstätigkeit und Internetnutzung zu bestehen: So nutzen weitaus mehr Berufstätige das Internet als umgekehrt (ebd., S. 18).
- Bestätigt fühle ich mich, wenn ich mir die Internetnutzung nach Ortsgröße anschaue: Der Zusammenhang zwischen Einwohnerzahl und Internetnutzung ist schwach ausgeprägt, aber doch vorhanden (ebd., S. 19).
- Wenig überraschend hingegen ist, dass „zum dritten Mal in Folge“ (ebd., S. 32) der Anteil der Nutzungsplaner zurückgeht. Je mehr Menschen mit dem Internet ausgestattet sind, desto weniger können dies letztlich planen.
Im internationalen Vergleich steht Deutschland damit – was die Internetnutzung angeht – auf dem 9. Platz… hinter einer Reihe von skandinavischen Ländern sowie Großbritannien.
Der (N)Onliner Atlas 2009 ist eine Studie der Initiative D21, die von TNS Infratest durchgeführt wird. Grundlage ist eine repräsentative Erhebung auf Basis von computergestützten Telefoninterviews (CATI).
Die Bundesregierung hat heute den neuen Medien- und Kommunikationsbericht veröffentlicht. Für mich sind vor allem die Aussagen zur technischen Infrastruktur interessant, denn noch immer sind viele Gegenden in Deutschland nicht mit Breitband (DSL) erschlossen. So habe auch ich gehofft, dass sich das angesichts von „Angies“ Äußerungen im vergangenen Herbst bald ändern würde. Umso erschreckender ist folglich eine im Bericht zu findende Prognose: „Bei den aktuellen Zuwachsraten ist eine endgültige Digitalisierung dieser Verbreitungsebenen nicht vor dem Jahr 2025 zu erwarten.“ (ebd., S. 29) Erschreckend deswegen, weil dadurch zum einen die Kluft zwischen Internetnutzern und Nicht-Nutzern immer größer wird (siehe hierzu auch einen interessanten Beitrag von Nicole Zillien in der M&K); zum anderen weil mir vor Augen geführt wird, dass auch ich die kommenden Heimaturlaube in Rheine weiter mit Modem (erinnert Ihr Euch noch – das mit dem schönen Einwahlton!), bestenfalls mit ISDN verbringen darf. Es gibt zwar bereits die Initiative Zukunft Breitband, allerdings habe ich außer Versprechungen bisher nichts von konkreten Entwicklungen vor Ort mitbekommen. Kein Wunder also, wenn „trotz dieser positiven Bilanz [...] immer noch mehr als 700.000 Haushalte keinen und weitere 5 bis 6 Prozent der Haushalte einen qualitativ nur unbefriedigenden Breitbandzugang“ (ebd., S. 32) haben. Ich nutze daher inzwischen mobiles Internet, wenn ich bei meinen Eltern zu Besuch bin. Allerdings kann das die DSL-Flatrate und schnelle Geschwindigkeiten längst nicht ersetzen. Achso, beim Privatfernsehen war es übrigens nicht besser: Hätte man nicht die Schüssel erfunden, müssten „Landeier“ wie ich bis heute auf DSDS und Co. verzichten.
Dass sich Jugendliche heutzutage viel im Web bewegen, wissen wir spätestens seit der KIM-/JIM-Studie. Dass sie das Internet inzwischen aber traditionellen (Audio-Visuellen-)Medien vorziehen, wird nun von einer Studie des Leipziger Medienpädagogen Bernd Schorb belegt. Untersucht wurden v.a. internetaffine Jugendliche, die über zahlreiche Plattformen wie das schülerVZ angesprochen wurden. Für mich zentrale Aussage der Erhebung: „Jugendliche nutzen das Internet nicht nur zur Information und Kommunikation, sie suchen hier vor allem auch nach Unterhaltung. Das umfasst neben dem Spielen insbesondere rezeptive Tätigkeiten. Im Internet und auch am Computer rezipieren Jugendliche auditive und audiovisuelle Inhalte. Dabei vervielfachen sie aber nicht einfach ihre rezeptive Nutzung, sondern greifen auf neuartige Nutzungsoptionen zu.“ (Schorb et al. 2008, S. 8) Des öfteren fällt auch der Konvergenz-Begriff, der sich v.a. auf zwei Dimensionen bezieht: (1) auf das technische Zusammenwachsen in dem Sinne, dass digitale Daten – welcher Herkunft auch immer – gebündelt auf dem Rechner zusammenfließen; (2) auf die inhaltliche Konvergenz, „einen Inhalt über verschiedenste Medien und mediale Tätigkeiten zu verfolgen“ (ebd., S. 4). Auch der Spiegel berichtet bereits, dass das Internet für Jugendliche das wichtigste Medium ist. Na dann.

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