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Nach zwei Tagen EduCamp muss ich erst mal meine ganzen Gedanken sortieren. Ich bin vor allem mit der Erwartung nach Graz gefahren, das schon mehrfach gelobte Format BarCamp endlich selbst kennenzulernen: Es spricht sich einfach leichter über etwas, was man selbst erlebt hat; umgekehrt lässt sich schlecht urteilen über Vor- und Nachteile eines offenbar innovativen Formats, wenn man dieses nur vom Lesen und Hörensagen kennt (auch wenn man durch Blogs, Twitter und Co. einen recht umfassenden Eindruck erhalten kann). Von daher war ich besonders gespannt, wie sich die Veranstaltung vor Ort entwickelt und insbesondere darauf, wie es sich mit der Selbstorganisation von Sessions und den inhaltlichen Diskussionen verhält. Im Gegensatz zu klassischen Konferenzen sollen sich Inhalte und Gespräche von selbst ergeben und nicht lange im Voraus geplant werden. Außerdem besteht jederzeit die Möglichkeit, durch das Angebot neuer Sessions eigene Impulse einzubringen. Eine Chance, die auf vorab durchgestylten Tagungen auf die Kaffeepause verschoben werden muss.
Genau diese spontanen Sessions waren es dann auch, die mich inhaltlich am meisten zum Nachdenken angeregt haben: Sie knüpften an beobachtbare Phänome, konkrete Probleme oder künftige Herausforderungen im Bereich Bildung an und waren dadurch stärker in die Zukunft gerichtet. Oftmals standen Ideen mit Gestaltungsspielraum für das „Publikum“ im Vordergrund. Folglich wird sehr offen diskutiert und dem Diskurs viel Raum und Zeit eingeräumt.
Wie groß dieses Bedürfnis ist, zeigte sich gleich zu Beginn auch bei unserem Bildungssofa. Das Bildungssofa hat zum Ziel, generationenübergreifend über bildungsspezifische Fragestellungen zu sprechen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. So ging es dieses Mal im weistesten Sinne um die „Macher“ von Bildungsinnovationen und was „EduPunks“ und „Establishment“ voneinander lernen können (die Streams sind online zugänglich). Im Prinzip eine spannende Idee, auf diesem Weg den Dialog zwischen den unterschiedlichen Generationen anzukurbeln und vor allem ein Bewusstsein für die Vor- (und Nach-)Teile der jeweils anderen Perspektive zu stiften. Ich sage deshalb „im Prinzip“, denn die Diskussionsbereitschaft der Teilnehmer war so groß, dass wir den inhaltlichen Fokus des Sofas zugunsten der vielen Fragen aufgeben mussten.
Die Frage ist nun, ob ein solches Lösen von konkreten Inhalten gut oder schlecht ist, ob es im Rahmen des EduCamps wichtig ist, Freiheiten zu schaffen, und wie es mit der prinzipiellen Übertragbarbeit eines solchen dialogorientierten Sofas auf andere (möglicherweise stärker durchorganisierte) Veranstaltungen aussieht. Wir selbst sind in dieser Hinsicht unschlüssig, denn: Auf der einen Seite müssen Tom und ich selbstkritisch zugeben, dass wir das eigentliche Vorhaben nicht ganz durchgehalten haben; auf der anderen Seite waren die Diskussionsinhalte ausgehend von den Statements von Doris Carstensen und Thomas Bernhardt so spannend und informativ, dass ich rückblickend ungern darauf verzichtet hätte. So oft gibt es schließlich Diskussionen auf einem Podium, die ohne konkrete Impulse zu Ende gehen. Das war hier eindeutig anders: Aufgrund der Diskussionsinhalte entstanden neue Sessions (unter anderem zur Frage der Bewertungskriterien von Blogs) und die räumliche Gestaltung (Stuhlkreis, Sofa in der Mitte) wurde von Beginn bis zum Ende der Veranstaltung nicht mehr verändert. Der Raum mit dem roten Sofa wurde so immer wieder zum Gesprächsinhalt und zum beliebsten Ort des Camps.
Leider erlaubten nicht alle Räume die dialogorientierte Umgestaltung: Durch das Nutzen von Hörsälen waren die Bankreihen vorgegeben; die Frontalsituation war trotz Versuchen der Teilnehmer oftmals gegeben. Mit der räumlichen Gestaltung wird so offenbar ein Schema abgerufen, dass starken Einfluss auf die jeweilige Rolle der Beteiligten nimmt. Dies muss man aus meiner Sicht für weitere Veranstaltungen dieses Formats im Kopf behalten, da die prinzipielle Offenheit und die hierarchiearme Struktur zu den Grundprinzipien gehört.
Abseits von den Formatfragen fand ich den Austausch mit Mo, Ralf und Thomas über den Einsatz von Web-2.0-Tools in der Lehre sehr interessant. Noch immer scheint nämlich der Gebrauch von Tools alles andere als selbstverständlich und eine gewisse Kompetenz im Umgang etwa mit Blogs zu fehlen. Abgesehen davon haben wir die konkreten Bewertungsmöglichkeiten von Blogs diskutiert und inwieweit wir selbst Kriterien für das öffentliche Schreiben und Reflektieren vergeben. Auch hier scheint noch unklar zu sein, was der optimale Weg ist: Zu viele Vorgaben unterbinden das kreative Schreiben; mangelnde Kriterien können den Einstieg in das Schreiben vermasseln; welche Rolle spielt der „Besitz“ des Blogs? Dass der Lehrende gewisse Vorstellungen über Ziele des Werkzeugeinsatzes haben soll, darüber bestand Einigkeit – allerdings wiederum erstaunlich, dass wir nur solche Lehrende ausmachen konnten, die Web 2.0 in der Lehre einsetzen, wenn Web 2.0 auch Gegenstand in der Veranstaltung ist. Ich hätte so etwas vorab vermutet, aber in der Deutlichkeit nicht unbedingt erwartet. Bleibt also zu fragen: Wo sind diejenigen, die sich Web 2.0 auch in fachfremden Kontexten zueigen machen?
Interessant war zudem die Diskussion darüber, welche Rolle E-Portfolios heutzutage spielen können, und der Fokus, mit dem E-Portfolios auf dem EduCamp diskutiert wurden. So stand immer wieder das Bewerbungsportfolio im Vordergrund, anhanddessen sich Arbeitgeber ein Bild vom potenziellen Mitarbeiter machen könnten. Die Möglichkeiten, E-Portfolios für das Lernen einzusetzen und insbesondere prozessorientierte Fortschritt für den Lernenden (und den Lehrenden) zu dokumentieren, wurden als wichtig erkannt, aber teils auch als „durch“ empfunden. Es gäbe viele andere Werkzeuge, die ähnliche Funktionen erfüllen könnten. Mich begeistern solche Diskussionen gerade deshalb immer, weil sie dann entstehen, wenn der erste Hype eines Tools vorüber ist und es um konkrete Anwendungsszenarien bzw. um ihren nachhaltigen Einsatz als Bildungsinnovation geht.
Ein paar mehr Studierende auf dem EduCamp hätte ich mir noch gewünscht. Das will ich nicht unerwähnt lassen, denn so oft sprechen wir über Lernende und nicht mit ihnen. Hier gibt es mit Sicherheit noch Potenzial nach oben.
… heute gibts den KaffeePod!
Mit dem Lauch des KaffeePod im September konnten wir den ersten großen Meilenstein erreichen. Doch jeder, der ein (Medien-)Projekt macht, weiß, jetzt geht es erst so richtig „ans Eingemachte“. Vor allem wollen wir den Semesterauftakt dazu nutzen, das neue Podcastangebot unter den Augsburger Studierenden bekannter zu machen. Hierzu gibt es seit ein paar Tagen einen Flyer, den ich Euch nicht vorenthalten will:
Der Flyer soll ab Montag an verschiedenen Orten verteilt werden – bei aller Diskussion um den virtuellen Raum dieses Mal ganz real in der Cafete, in der Mensa und an anderen Stätten, wo sich Erstsemester aufhalten. Den Flyer selbst konnten wir nur drucken, weil wir dafür mit dem IT-Servicezentrum einen Sponsor gefunden haben, und natürlich auch, weil wir mit Caro eine kreative Designerin in unserem Team haben. Wenn Ihr, liebe Blogleserinnen und -leser nun helft, den Flyer und damit auch die Idee des KaffeePod im Internet zu verbreiten, würden wir uns sehr freuen! Danke Euch allen!! :-)
PS: Inzwischen gibt es online erste Schnipsel vom KaffeePod international, unserer nächsten „Baustelle“ neben dem Erreichen der Zielgruppe für den deutschsprachigen KaffeePod. Denn es geht immer weiter… immer weiter… irgendwie.
Seit vielen Jahren machen wir uns in Augsburg Gedanken darüber, wie man Studierende stärker in Lehre und Forschung einbinden kann und auf dem Weg die Förderung überfachlicher Kompetenzen im Hochschulstudium erleichtert. Vor allem im Zuge der wissenschaftlichen Begleitforschung zum Begleitstudium und aufgrund von praktischen Erfahrungen mit der co-curricularen Projektarbeit konnten wir dabei zahlreiche Erkenntnisse zu offenen Bildungsinitiativen sammeln. Anlässlich unseres nahenden Besuchs auf der Jahrestagung der Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft (GMW) haben wir uns nun zu einem Call for Papers zu diesem Thema entschieden. Denn mit dem dritten Thementisch können wir auf zahlreiche Erfahrungen und unterschiedliche Diskussionen zur (studentischen) Partizipation zurückblicken. Zudem scheint das Interesse an der Integration der Studierendenmeinung zu wachsen. Außerdem wird im Zuge der OER-Bewegung immer mehr darüber diskutiert, was (förderliche) Rahmenbedingungen für Partizipation sind. Unter dem Stichwort „Offene Bildungsinitiativen: Fallbeispiele, Erfahrungen und Zukunftsszenarien“ möchten wir nun Studierende wie auch Lehrende und andere Interessierte zur Beteiligung an dem Band aufrufen. Durch die bunte Zielgruppe erhoffen wir uns Einreichungen aus unterschiedlichen Perspektiven auf studentische Partizipation, um ein möglichst umfassendes Bild vom Stand offener Bildungsinitiativen an der Hochschule zu zeichnen. Möge das Vorhaben gelingen… wir zählen auf Euch!
Am letzten Freitag habe ich den Stand meiner Arbeit im Doktorandenkolloquium vorgestellt. Während die letzten Präsentationen einen starken Fokus auf business@school legten, ging es dieses Mal stärker um die theoretische Verortung des Schule-Wirtschaft-Projekts. Wenn man das eigentliche Vorhaben der Arbeit zugrunde legt, nämlich die Herausforderungen an eine Zusammenarbeit von Ökonomie und Bildung zu klären, liegt die wohl größte Schwierigkeit meiner Diss darin, unterschiedliche theoretische Bezugsrahmen miteinander in Bezug zu bringen. Dies ist nicht immer einfach; allein schon die Sprache ist in der BWL und in der Pädagogik derart unterschiedlich, dass man Begriffe etc. nicht vorbehaltlos übertragen kann. Darüber hinaus ist der Blickwinkel der Disziplinen sehr verschieden: Während in der BWL eher die Organisation als Ganzes anvisiert wird, ist es in der Pädagogik das Individuum. Auch aus pragmatischen Gründen (Zeit!) werde ich mich daher davon verabschieden müssen, in meiner Arbeit diese Metaebene ausführlich beschreiben bzw. klären zu können. Stattdessen rücken „kleinere“ Konzepte in den Mittelpunkt, die von ihrer Anlage viele Schnittstellen zu den jeweils anderen Fächern besitzen und alle die Person in den Mittelpunkt stellen.
So kommt es nicht von ungefähr, dass ich mich im Bereich BWL von nun an stark auf das Corporate Volunteering (CV) konzentrieren werde. Dies hat unbestritten den Vorteil, dass auch das Projekt business@school als ehrenamtliches Mitarbeiterengagement von Unternehmen positioniert wird und ich mich infolgedessen dort gut auskenne. Hinzu kommt die Aktualität des Themas, da dem CV-Engagement von Unternehmen als Instrument der Personalentwicklung starkes Wachstum prophezeit wird. Darüber hinaus spielt „betriebliche Freiwilligenarbeit […] auch engagementpolitisch eine wichtige Rolle. Denn für viele gerade jüngere Mitarbeiter stellen solche Angebote erstmalig einen Kontakt zu ehrenamtlichem und bürgerschaftlichem Engagement her und bilden so einen Türöffner für das Ehrenamt.“ (Habisch, 2003, S. 8) Betrachtet man all die Facetten von CV in seiner Ganzheit, landet man schnell wieder beim Ausgangspunkt: Ökonomie und Bildung. So soll es – trotz abgespeckter Inhalte – weiter sein.
In der vergangenen Woche habe ich viel Zeit im Medienlabor verbracht, um Bildmaterial zu sichten, zu schneiden und zu vertonen. Herausgekommen ist (wie ich finde) ein schönes Produkt: der erste w.e.b.Square-Film. Berechtigterweise werdet Ihr Euch fragen: Warum die ganze Mühe? Aber die Erklärung naht sofort: Wir sind mit w.e.b.Square im Finale des European E-Learning Awards (eureleA) und bekommen die Chance, unser Projekt am 6. März auf der CeBIT in Hannover vorzustellen. Da zwei Folien bisweilen sehr verkürzend sind, haben wir uns kurzer Hand für einen emotionalisierenden Imagefilm entschieden. Aber nun will ich Euch nicht weiter auf die Folter spannen… Film ab!
An dieser Stelle nochmals allen fleißigen Helfern vor und hinter der Kamera vielen Dank für die Unterstützung! War ein großer Spaß mit Euch!
Was ist Zeit? Nicht erst seit dem gleichnamigen Seminar von Klaus Mainzer haben sich viele MuK-Studierende mit der Frage auseinander gesetzt, was Zeit für das eigene Leben bedeutet und wie sich diese konstruiert. Denn Zeit scheint eines der bestimmenden Themen der Moderne geworden zu sein. So trifft man oft Menschen, die keine Zeit haben oder (neudeutsch) busy sind und ihren Zeitmangel auf diese Weise öffentlich zur Schau stellen. Nicht selten begegnet man sogar Menschen, bei denen Zeitmangel mit hohem Engagement gleich gesetzt und folglich ein ganz neuer Wert in einer arbeitenden Gesellschaft geschaffen wird. Generell fällt auf, dass gerade Berufe unsere Zeit prägen; sie bestimmen den Tagesablauf und sorgen mehr und mehr dafür, dass Grenzen von Arbeit und Frei(Achtung!)Zeit verschwimmen. Die technologische Entwicklung tut ihr übriges; mit größer werdender Vernetzung steigt der Anspruch an Allseitserreichbarkeit und permanenter Verfügbarkeit, aber auch an einen hohen Grad an Informiertheit und Auseinandersetzung mit der globalen Welt. „[...] grosse Kontinuitäten sind zunehmend die Ausnahme, in diesem Sinne heißt Globalisierung auch im Alltagsleben Wechsel, Flexibilisierung, Stress und Suche nach Entlastung. Die festen Orte verschwinden, wenigstens solche, die auf eine ganze Lebensspanne hin berechnet sind.“ (Oelkers, 2000, S. 4)
Zeitökonomie
Wenn sich (Achtung!) Zeiten ändern, stellt sich folglich auch die Frage nach dem Umgang mit der uns verbleibenden Zeit:
- Wie viel Zeit darf ich mit welchen Aktivitäten verbringen?
- Wie bewusst darf (oder muss?) ich mir Freizeit gönnen?
- Wie schaffe ich es, meine Zeit möglichst selbstbestimmt einzusetzen?
- Gibt es einen reflexiven Umgang mit Zeit?
Ohne Zweifel gibt es Unterschiede in der Wahrnehmung von Zeit: Mal vergeht sie langsam, mal vergeht sie schnell. Ich würde jetzt nicht so weit gehen und das Zeitempfinden von der Art der kognitiven Verarbeitung des Erlebten abhängig machen. Wohl aber kann man Pöppel (1999) zustimmen, wenn er sagt: Entscheidend sind die Inhalte des Erlebens, nicht die formale (eben zeitliche) Struktur der Repräsentation. Denn Zeit im Sinne von Uhrzeit, Tages- und Nachtzeit, Arbeitszeit etc. bietet allem voran eine Orientierung, an der sich Menschen im Laufe ihres Lebens entlang hangeln (können). Kurios wird es in dem Moment, wenn die Verdichtung von Zeit zur Vergleichzeitlichung führt. Multitasking ist hier das richtige Stichwort. Schnell das eine machen, nebenbei das andere und ganz nebenbei noch etwas anderes.
Selbstbestimmung adé?
Problematisch wird die Auseinandersetzung mit der Zeit vor allem dann, wenn Zeitordnungen auch als Machtordnungen verstanden werden (vgl. Heitkötter & Schneider, 2004, S. 19). Spätestens an dem Punkt bemerkt man, dass man zumindest in beruflicher Hinsicht oft am längerem Hebel sitzt. Selbstbestimmung oder besser noch: Selbstbildung adé. Aber die Lösung naht (zumindest theoretisch): „Zukunftsfähige Zeitkonzepte sind darauf ausgerichtet, den Menschen zum selbstbestimmten Umgang mit ihren zeitlichen Ansprüchen und Anforderungen zu befähigen, die oft beschworene Balance zwischen Arbeit und Leben wirklich zu ermöglichen.“ (Deutsche Gesellschaft für Zeitpolitik, S. 19) Irgendwie fasst diese Forderung auch die zentrale Erkenntnis unseres mentalen Ausflugs am letzten Freitag bestens zusammen: Berufe prägen unsere Zeit. Aber wir wollen auch Freizeit!
Danke, brand eins. Euer Schwerpunkt „Kommunikation/PR“ ist nicht nur großartig aufbereitet, Ihr sprecht mir auch an vielen Punkten aus der Seele. Nehmen wir allein den Bericht zum Thema „Science Pop“. Hier wird ein absolut berechtigtes Spannungsfeld skizziert: „Scheuen Wissenschaftler den Austausch mit der Öffentlichkeit – oder interessiert die sich gar nicht für Details aus den Laboren?“ (ebd., S. 108ff) Sehr treffend formuliert, wie sowohl die eine als auch die andere Seite begründet, warum sie sich der Öffentlichkeit stellt oder das eher unterlässt. Denn PR und Wissenschaft – das passt nicht für alle Beteiligten zusammen; insbesondere viele Wissenschaftler sehen PR eher als notwendiges Übel denn als ernstzunehmende Pflicht an. Dabei wandelt sich auch die Non-Profit-PR rasant schnell: Beflügelt durch die digitalen Medien werden Botschaften immer professioneller und somit schneller bzw. gezielter unter das Volk gebracht. Aber nicht nur die technogische Entwicklung sorgt dafür, dass man sich im Non-Profit-Bereich stärker um die Öffentlichkeit bemüht – auch mangelde finanzielle Ressourcen der einzelnen Professuren, Lehrstühle etc. bedingen, dass sich immer mehr (Teil-)Bereiche auf den Wettbewerb der Universitäten einlassen. Durch Exzellenzinitiativen o.ä. wird diese Haltung natürlich weiter geschürt. Jetzt kann man sich über die Entwicklung beschweren und sich allein in der Community um Anerkennung bemühen – doch will man das? Denn Wissenschaft heißt auch mit wichtigen Erkenntnissen zu diffundieren in interessierte gesellschaftliche Gruppen, in Wirtschaft und Politik. Ohne ansprechende Kommunikation fällt es aber schwer, genau diese relevanten Gruppen zu erreichen. Oder wie formuliert es Andreas Molitor, brand eins-Redakteur und Autor des o.g. Textes:
- 1. Axiom: Wer Geld will, muss auch erklären können, wofür er es braucht.
- 2. Axiom: Wer nur auf die Anerkennung der Kollegen schaut, wird nie populär.
- 3. Axiom: Wer Journalisten gängeln will, muss sein Bild in der Öffentlichkeit selbst malen.
Treffender könnte man die Anforderungen an Wissenschaftsmarketing bzw. -PR wohl nicht beschreiben… und gewissermaßen nebenbei das 1. Axiom von Watzlawick, Beavin und Jackson (1969) unterstreichen: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“ (ebd., S. 53)
* Der Begriff „Science Pop“ stammt von Winfried Göpfert.
Gerade lese ich auf Zeit-Online einen Nachruf. Dabei geht es nicht (wie sonst) um einen unlängst verstorbenen Politiker, Medienmenschen oder sonst wen. Es geht um die „gute, alte“ Tafel. Whiteboards sollen sie ablösen, werden an Schulen und von Vertretern der Kultusministerien bereits gefeiert.
Ist die Tafel wirklich out?
Der Autor des Artikels, Arnfrid Schenk, meint zum Tod der Tafel: „Vieles wird mit ihr verschwinden, kein Tafeldienst mehr, keine Kreideschlachten, keine Schwammwürfe mehr, keine Lehrerkarikaturen mehr, die beim Aufklappen für hektisches Wischen des Porträtierten sorgten. Auch manche Ausrede wird flachfallen: ’Tschuldigung, ich kann die Formel nicht lesen, die Tafel spiegelt so. Auch die Aufgabe, Kreide zu holen, die man aus Solidarität mit den Hinterbänklern gerne ausdehnte – aus, vorbei.“ (ebd.) Gute, alte Zeit.
Aus Schülersicht ein Verlust, aus Lehrersicht auch?
Doch nicht nur die Schüler, auch die Lehrer sind vom „Ende der Kreidezeit“ betroffen. Der Autor stellt sich daher die durchaus berechtigte Frage: „[...] wird die Mehrheit der Lehrer sie je bedienen können? Die meisten sind doch schon am Videorecorder gescheitert.“ (ebd.) Ich hatte gehofft, dass sich Schule zumindest in dem Punkt verändert hat…
Den Abschied versüßen
Zum Abschied gibt es dann noch ein letztes Mal den Klang der Kreide zu hören und das Geräusch, das ein Fingernagel macht, wenn die Kreide zu kurz war. Hach, ich werde sie auch vermissen – ein bisschen jedenfalls.


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