… dass ein schon etwas älterer Artikel von Klaus Merten offenbar solche Aufmerksamkeit erregt hat. In dem Essay in der Fachzeitschrift pressesprecher gab der Kommunikationswissenschaftler im Jahr 2006 zum Besten, dass nur derjenige kommunizieren könne, wer auch lügen dürfe. Ja, richtig gelesen. Es ging dabei inhaltlich um PR und die Machenschaften von Kommunikationsmanagern. Bei der Vorbereitung auf mein morgiges Seminar habe ich den Artikel nochmals rausgekramt, weil ich finde, dass er sehr gut zum Nachdenken über PR anregt. Und beim Nachrecherchieren habe ich gerade entdeckt, dass damals mehrere namhafte Zeitungen und Blogs über den Tabubruch von Merten berichtet haben (z.B. die NZZ). Abgesehen davon, steht der Artikel in mehreren Literaturlisten von Lehrveranstaltungen und war offenbar Ausgangspunkt für Diskussionen unter Kommunikationswissenschaftlern, was bis zur Re-Formulierung der bisherigen PR-Definition führte. Mir ist der Artikel damals auch sofort aufgefallen und ich habe ihn gleich auf meinem Rechner geparkt. Was daraus entstehen würde, habe ich vor über drei Jahren wohl noch nicht geahnt. Spannend.
Nach zwei Tagen EduCamp muss ich erst mal meine ganzen Gedanken sortieren. Ich bin vor allem mit der Erwartung nach Graz gefahren, das schon mehrfach gelobte Format BarCamp endlich selbst kennenzulernen: Es spricht sich einfach leichter über etwas, was man selbst erlebt hat; umgekehrt lässt sich schlecht urteilen über Vor- und Nachteile eines offenbar innovativen Formats, wenn man dieses nur vom Lesen und Hörensagen kennt (auch wenn man durch Blogs, Twitter und Co. einen recht umfassenden Eindruck erhalten kann). Von daher war ich besonders gespannt, wie sich die Veranstaltung vor Ort entwickelt und insbesondere darauf, wie es sich mit der Selbstorganisation von Sessions und den inhaltlichen Diskussionen verhält. Im Gegensatz zu klassischen Konferenzen sollen sich Inhalte und Gespräche von selbst ergeben und nicht lange im Voraus geplant werden. Außerdem besteht jederzeit die Möglichkeit, durch das Angebot neuer Sessions eigene Impulse einzubringen. Eine Chance, die auf vorab durchgestylten Tagungen auf die Kaffeepause verschoben werden muss.
Genau diese spontanen Sessions waren es dann auch, die mich inhaltlich am meisten zum Nachdenken angeregt haben: Sie knüpften an beobachtbare Phänome, konkrete Probleme oder künftige Herausforderungen im Bereich Bildung an und waren dadurch stärker in die Zukunft gerichtet. Oftmals standen Ideen mit Gestaltungsspielraum für das „Publikum“ im Vordergrund. Folglich wird sehr offen diskutiert und dem Diskurs viel Raum und Zeit eingeräumt.
Wie groß dieses Bedürfnis ist, zeigte sich gleich zu Beginn auch bei unserem Bildungssofa. Das Bildungssofa hat zum Ziel, generationenübergreifend über bildungsspezifische Fragestellungen zu sprechen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. So ging es dieses Mal im weistesten Sinne um die „Macher“ von Bildungsinnovationen und was „EduPunks“ und „Establishment“ voneinander lernen können (die Streams sind online zugänglich). Im Prinzip eine spannende Idee, auf diesem Weg den Dialog zwischen den unterschiedlichen Generationen anzukurbeln und vor allem ein Bewusstsein für die Vor- (und Nach-)Teile der jeweils anderen Perspektive zu stiften. Ich sage deshalb „im Prinzip“, denn die Diskussionsbereitschaft der Teilnehmer war so groß, dass wir den inhaltlichen Fokus des Sofas zugunsten der vielen Fragen aufgeben mussten.
Die Frage ist nun, ob ein solches Lösen von konkreten Inhalten gut oder schlecht ist, ob es im Rahmen des EduCamps wichtig ist, Freiheiten zu schaffen, und wie es mit der prinzipiellen Übertragbarbeit eines solchen dialogorientierten Sofas auf andere (möglicherweise stärker durchorganisierte) Veranstaltungen aussieht. Wir selbst sind in dieser Hinsicht unschlüssig, denn: Auf der einen Seite müssen Tom und ich selbstkritisch zugeben, dass wir das eigentliche Vorhaben nicht ganz durchgehalten haben; auf der anderen Seite waren die Diskussionsinhalte ausgehend von den Statements von Doris Carstensen und Thomas Bernhardt so spannend und informativ, dass ich rückblickend ungern darauf verzichtet hätte. So oft gibt es schließlich Diskussionen auf einem Podium, die ohne konkrete Impulse zu Ende gehen. Das war hier eindeutig anders: Aufgrund der Diskussionsinhalte entstanden neue Sessions (unter anderem zur Frage der Bewertungskriterien von Blogs) und die räumliche Gestaltung (Stuhlkreis, Sofa in der Mitte) wurde von Beginn bis zum Ende der Veranstaltung nicht mehr verändert. Der Raum mit dem roten Sofa wurde so immer wieder zum Gesprächsinhalt und zum beliebsten Ort des Camps.
Leider erlaubten nicht alle Räume die dialogorientierte Umgestaltung: Durch das Nutzen von Hörsälen waren die Bankreihen vorgegeben; die Frontalsituation war trotz Versuchen der Teilnehmer oftmals gegeben. Mit der räumlichen Gestaltung wird so offenbar ein Schema abgerufen, dass starken Einfluss auf die jeweilige Rolle der Beteiligten nimmt. Dies muss man aus meiner Sicht für weitere Veranstaltungen dieses Formats im Kopf behalten, da die prinzipielle Offenheit und die hierarchiearme Struktur zu den Grundprinzipien gehört.
Abseits von den Formatfragen fand ich den Austausch mit Mo, Ralf und Thomas über den Einsatz von Web-2.0-Tools in der Lehre sehr interessant. Noch immer scheint nämlich der Gebrauch von Tools alles andere als selbstverständlich und eine gewisse Kompetenz im Umgang etwa mit Blogs zu fehlen. Abgesehen davon haben wir die konkreten Bewertungsmöglichkeiten von Blogs diskutiert und inwieweit wir selbst Kriterien für das öffentliche Schreiben und Reflektieren vergeben. Auch hier scheint noch unklar zu sein, was der optimale Weg ist: Zu viele Vorgaben unterbinden das kreative Schreiben; mangelnde Kriterien können den Einstieg in das Schreiben vermasseln; welche Rolle spielt der „Besitz“ des Blogs? Dass der Lehrende gewisse Vorstellungen über Ziele des Werkzeugeinsatzes haben soll, darüber bestand Einigkeit – allerdings wiederum erstaunlich, dass wir nur solche Lehrende ausmachen konnten, die Web 2.0 in der Lehre einsetzen, wenn Web 2.0 auch Gegenstand in der Veranstaltung ist. Ich hätte so etwas vorab vermutet, aber in der Deutlichkeit nicht unbedingt erwartet. Bleibt also zu fragen: Wo sind diejenigen, die sich Web 2.0 auch in fachfremden Kontexten zueigen machen?
Interessant war zudem die Diskussion darüber, welche Rolle E-Portfolios heutzutage spielen können, und der Fokus, mit dem E-Portfolios auf dem EduCamp diskutiert wurden. So stand immer wieder das Bewerbungsportfolio im Vordergrund, anhanddessen sich Arbeitgeber ein Bild vom potenziellen Mitarbeiter machen könnten. Die Möglichkeiten, E-Portfolios für das Lernen einzusetzen und insbesondere prozessorientierte Fortschritt für den Lernenden (und den Lehrenden) zu dokumentieren, wurden als wichtig erkannt, aber teils auch als „durch“ empfunden. Es gäbe viele andere Werkzeuge, die ähnliche Funktionen erfüllen könnten. Mich begeistern solche Diskussionen gerade deshalb immer, weil sie dann entstehen, wenn der erste Hype eines Tools vorüber ist und es um konkrete Anwendungsszenarien bzw. um ihren nachhaltigen Einsatz als Bildungsinnovation geht.
Ein paar mehr Studierende auf dem EduCamp hätte ich mir noch gewünscht. Das will ich nicht unerwähnt lassen, denn so oft sprechen wir über Lernende und nicht mit ihnen. Hier gibt es mit Sicherheit noch Potenzial nach oben.
Ein Seminar, das mir in diesem Semester besonders auf Herzen liegt, nennt sich „Vom Hype zum Standardinstrument: Web 2.0 und Non-Profit-PR“ und hat zum Ziel, sich mit neuen Nutzungsformen und -gewohnheiten im Internet auseinanderzusetzen und im Anschluss daran in Kooperation mit einem Praxispartner Kommunikationskonzepte zu entwickeln. Die wesentlichen Inhalte der Veranstaltung werden zwar mindestens sechs Monate vor Beginn festgelegt; etwas Freiheit hat man aber darin, die Kooperationspartner zu suchen und sinnvoll in den Seminarprozess zu integrieren. Nachdem sich die Zusammenarbeit mit einer NGO zerschlagen hat, habe ich das kurzfristige Fehlen zum Anlass für die Aufbereitung der Diskussionen um die letzte GMW-Tagung genommen. Denn anhand der in Blogs vielmals verfassten Eindrücke kann man sehr gut ablesen, wie sich Face-to-Face-Kommunikation infolge der Durchdringung mit digitalen Medien und insbesondere von einfach zu handhabbaren Tools verändert bzw. sich womöglich eine neue (und bislang unbekannte) Durchmischung von realer und virtueller Welt ergibt. Mit welchen Herausforderungen schließlich Organisationen in der Kommunikation umgehen müssen, habe ich in einer Inputsitzung gestern (mehr oder weniger) kurz zusammengefasst:
In den kommenden beiden Sitzungen erarbeiten die Studierenden nun „Blitzlichter“ zu relevanten Fragestellungen im oben genannten Themenbereich. Diese Blitzlichter sollen dabei helfen, eine Übersicht über Problembereiche zu erhalten und die Seminarinhalte theoretisch zu untermauern. Natürlich dienen sie auch dazu, dass sich die Studierenden in das Thema hinein finden, denn: Kaum jemand der Teilnehmer hat Erfahrungen mit Non-Profit-PR, was im MuK-Studiengang durchaus überraschend ist; hinzu kommt eine eher zurückhaltende Nutzung von Web-2.0-Tools, auch von Blogs, weshalb ich das begleitende Blogging bzw. Microblogging im Seminar (Hashtag #npo09) besonders spannend finde. Schließlich geht es in der Veranstaltung auch darum, Chancen und Grenzen der Werkzeuge gewissermaßen „am eigenen Leib“ zu erfahren. Abgesehen davon eignen sich beide Werkzeuge (Blogging etwas mehr als Twitter) dazu, den Seminarprozess festzuhalten und den geschlossenen Seminarraum räumlich und zeitlich, aber auch für eine interessierte Gruppe zu öffnen. Die Studierenden werden neben verstärkter Interaktion und erweiterten Feedbackmöglichkeiten zusätzlich mit Leistungspunkten „belohnt“. Eine Logik, die sich infolge der Bologna-Reformen aus meiner Sicht zwingend ergibt.
Im Anschluss an die auf einschlägigen Theorien basierenden und diskursiv angelegten ersten Seminarsitzungen folgt die Praxisphase. Hier werden, ich habe das weiter oben schon benannt, Kommunikationskonzepte entwickelt. Als Partner steht erfreulicherweise die GMW selbst zur Seite. Die Konzepte basieren nicht allein auf „bloßen“ Überlegungen der Studierenden, sondern sollen ebenso auf theoretischen wie auch empirischen Ergebnissen aus Perspektive einer jungen Zielgruppe fußen. Damit man sich besser vorstellen kann, was wir „treiben“, hier eine kurze Übersicht der Aufgaben:
In diesem frühen Seminarstadium kann sich noch eine ganze Reihe (zum Positiven wie auch zum Negativen) entwickeln. Von daher seid Ihr herzlich eingeladen, uns via Blog und Twitter zu verfolgen und Euch mit Euren Meinungen einzubringen… das Seminar ist inhaltlich sehr vielfältg und bietet mit Sicherheit einige Ankerpunkte, um mit den Studierenden und mir zu diskutieren.
Inzwischen laufen sie also, meine drei Seminare, und mit leichtem Schmunzeln blicke ich auf die einzelnen Kick-off-Veranstaltungen zurück. Denn zunächst einmal bin ich überrascht über die ganzen Ansprüche, die anhand der Titel und Beschreibungstexte in meine Lehrveranstaltungen projiziert werden: angefangen bei Aktualität, Praxisbezug über Fall- bzw. Problemorientierung bis hin zu Spaß. Gefühlt ein ganzes Sammelsurium an Erwartungen, mit denen Studierende offenbar Seminare besuchen – gepaart mit dem Zwang zum Punkteerwerb und entsprechenden Modulwünschen. Während ich die Erwartungen, die an Lehre gestellt werden, sehr spannend und hilfreich für die Einordnung der Anforderungen an mich finde, bringen mich Punkteerwerb und Modulverteilung regelmäßig zum Grinsen: Denn die studentischen Verhandlungstaktiken werden immer ausgereifter und sind ein Stück weit auch strategisch ausgeprägt (siehe hierzu auch Gabis Arbeitsbericht). Das führt dazu, dass so mancher nur noch zwei Punkte braucht und diese mit möglichst wenig Aufwand erreichen möchte. Aus meiner Sicht ein Widerspruch in sich, wenn man nochmals auf die Erwartungen an die Veranstaltung schaut: Denn Praxis- und Problemorientierung stehen in keinem Verhältnis zu zwei Punkten oder, um es plakativer zu machen, zwei Punkte entsprechen dem Workload eines Referats, nicht aber dem von Gruppenarbeit und Co. Wer sich also auf der einen Seite praxisnahe Veranstaltungen mit aktuellem Bezug und Teamarbeit wünscht, der kann auf der anderen Seite nicht erwarten, sich durch den bloßen Erwerb von zwei Leistungspunkten eben dieser zu entziehen zu können. Ein anderer Widerspruch ist regelmäßig die Frage nach dem, wie wissenschaftliches und praxisorientiertes Arbeiten miteinander in Punkten aufgewogen werden: Ist es gewissermaßen gleich anspruchsvoll, praxisorientierte Lösungen zu finden bzw. theoretisch-konzeptionelle Ausarbeitungen anzufertigen? Natürlich vergleicht man ein Stück weit Äpfel mit Birnen, will man aber beides ins Seminar integrieren, lassen sich insbesondere aufgrund der gemachten Erfahrungen und der von Studierenden verfassten Reflexionen in vorangegangenen Semestern sehr faire Lösungen finden. Manchmal würde ich mir echt wünschen, dass bei aller Verhandlungstaktik auch mal den Dozenten vertraut wird… ;-)
Beim Thema „Twittern als Hausaufgabe“ wird offenbar lieber nach Australien als an die eigenen Unis in Deutschland geguckt. Selbst wenn Twittern im Artikel nicht ganz so gut weg kommt – lieber Spiegel, auch hierzulande gibt es eine Menge Lehrende, die die digitalen Medien für Lehren und Lernen einsetzen und seit einiger Zeit mit Twitter experimentieren! Ein kurzer Blick in Twitter bzw. in die deutschsprachige E-Learning-Community hätte mit Sicherheit geholfen, entsprechende Interviewpartner zu finden. Oder, um es mit @DeanoMarteeno zu formulieren: Uni 2.0 gibt’s z.B. in Augsburg! Aber nicht nur da: Denn erst heute habe ich in Twitter spannende Einträge rund um E-Portfolios verfolgt (z.B. bei @ralfa). So oft springe ich für Journalisten in die Bresche, dieses Mal muss ich mich aber echt aufregen. Sorry.
Während ich in Augsburg mit Erstsemesterbegrüßung, Seminar-Kick-off etc. einen vollen Unitag hatte, haben Marianne und Tamara heute w.e.b.Square auf der Wissensorganisation ‘09 vorgestellt. Darüber habe ich mich aus mehreren Gründen besonders gefreut, unter anderem weil dies ihr erster Tagungsbesuch als Vortragende war und ich mich noch gut daran erinnern kann, welche Bedeutung das für mich eingenommen hat (auch Tamara deutet auf ihrem Blog die Vorfreude an). Per SMS haben die beiden mir netterweise gleich nach der Präsentation mitgeteilt, dass der Vortrag zu ihrer Zufriedenheit verlaufen ist. Auch das ist toll, weil wir uns thematisch mit dem Beitrag in neues Terrain begeben haben – zumindest mit Blick auf den informationswissenschaftlichen Anteil im Text. Dass die beiden den Vortrag locker meistern würden, war mir übrigens von Beginn an klar ;-)
Für alle, die nun Interesse an den Dokumenten haben: Die Präsentation findet sich bei Slideshare und der Artikel schon seit einiger Zeit als Preprint auf der imb-Website.
… heute gibts den KaffeePod!
Mit dem Lauch des KaffeePod im September konnten wir den ersten großen Meilenstein erreichen. Doch jeder, der ein (Medien-)Projekt macht, weiß, jetzt geht es erst so richtig „ans Eingemachte“. Vor allem wollen wir den Semesterauftakt dazu nutzen, das neue Podcastangebot unter den Augsburger Studierenden bekannter zu machen. Hierzu gibt es seit ein paar Tagen einen Flyer, den ich Euch nicht vorenthalten will:
Der Flyer soll ab Montag an verschiedenen Orten verteilt werden – bei aller Diskussion um den virtuellen Raum dieses Mal ganz real in der Cafete, in der Mensa und an anderen Stätten, wo sich Erstsemester aufhalten. Den Flyer selbst konnten wir nur drucken, weil wir dafür mit dem IT-Servicezentrum einen Sponsor gefunden haben, und natürlich auch, weil wir mit Caro eine kreative Designerin in unserem Team haben. Wenn Ihr, liebe Blogleserinnen und -leser nun helft, den Flyer und damit auch die Idee des KaffeePod im Internet zu verbreiten, würden wir uns sehr freuen! Danke Euch allen!! :-)
PS: Inzwischen gibt es online erste Schnipsel vom KaffeePod international, unserer nächsten „Baustelle“ neben dem Erreichen der Zielgruppe für den deutschsprachigen KaffeePod. Denn es geht immer weiter… immer weiter… irgendwie.
Jetzt ist sie also vorbei, die Anmeldephase für das Wintersemester 2009/2010, und ich kann mich nicht beklagen: Selten fand ein so großer Run auf meine Seminare statt. Um dem einigermaßen gerecht zu werden, habe ich mich vor ein paar Minuten entschieden, die Teilnehmerzahlen auf 30 pro Seminar hochzusetzen. Auf diese Weise haben kurzfristig ein paar mehr Studierende die Chance, an den einzelnen Lehrveranstaltungen teilzunehmen. Ich freue mich natürlich riesig über den Zulauf, frage mich aber auch selbstkritisch, woran das liegt. Mit Sicherheit braucht eine Vielzahl der Studierenden die Punkte und meine Veranstaltungen passen ins Modul. Mit Sicherheit liegt es auch am projektorientierten Arbeiten, dass ich im Regelfall anbiete und was den Teilnehmerinnen und Teilnehmern großen Spaß bereitet. Am meisten glaube ich aber, dass es an den Themen liegt, die ich dieses Jahr im Angebot habe, denn: Mit Seminaren, die an der Schnittstelle von Bildungswissenschaft und Kommunikationswissenschaft sind, liegt man hoch im Kurs. Das hat zwei Gründe: Einer davon ist historisch gewachsen und auf eine leicht veränderte Zusammensetzung von Lehrveranstaltungen zurückzuführen (durch Professorenwechsel). Der andere Grund ist meiner Ansicht nach, dass man mit Angeboten im Schnittstellenbereich mehr Studierende erreicht, weil sowohl die an bildungswissenschaftlichen Fragestellungen interessierten ins Seminar kommen als auch diejenigen, die eher kommunikationswissenschaftlich ausgerichtet studieren. Für mich zeigt die Veranstaltungswahl jedenfalls auf, dass man Überschneidungspunkte, die bei den Kernfächern im MuK-Studiengang bestehen, stärker nutzen sollte, um Gemeinsamkeiten (und Unterschiede!) der einzelnen Fächer aufzuzeigen. Zu selten gibt es an der Universität Veranstaltungen, die Fragestellungen unterschiedlicher Fächer in einem Seminar kombinieren und diese vor dem Hintergrund einzelner Phänomene diskutieren.
Irgendwie fühle ich mich bei der Ausschreibung des WissensWert Blog Carnivals Nr. 8 und bei aller Diskussion um innovative Veranstaltungsformate in das Jahr 2005 versetzt. Denn vor vier Jahren habe ich mich in meiner Bachelorarbeit damit auseinander gesetzt, unter welchen Bedingungen Veranstaltungen wie Tagungen, Messen etc. zu Wissenskommunikation und -austausch beitragen können. Konkret ging es um das Thema Ausbildungsmessen und ihren Mehrwert für die berufliche Orientierung. Damals habe ich mich vor allem auf das Münchner Modell von Mandl und Reinmann gestützt und mich auf den strukturgenetischen Wissensbegriff nach Seiler (2001) bzw. Seiler und Reinmann (2004) berufen. Auch auf die Gefahr hin, etwas nostalgisch zu werden, muss ich doch einen kurzen Blick in die Arbeit werfen, um mir mein damaliges Fazit nochmals vor Augen zu führen… *blätter, blätter*
… mein Fazit aus dem Jahr 2005: Bildungsmessen leisten nur bedingt einen Beitrag zur beruflichen Orientierung. Stattdessen sollten vielmehr Ausbildungsprojekte durchgeführt werden mit einer Ausbildungsmesse o.ä. als Höhepunkt. Denn bei derartigen Kooperationsformen läge ein Win-Win-Spezialfall vor: Nicht nur Laien gewinnen an Wissen. Sie regen auch den Experten dazu an, seine fachbezogenen Inhalte zu reflektieren (Bromme et al., 2004, S. 186).
Was ich damals in Bezug auf die Ausbildungsmessen abgeleitet habe, kann man im Kern auch auf andere Veranstaltungen übertragen. Denn trotz technologischer Entwicklung fehlt es bis heute oft an einer entsprechenden Begleitkommunikation, sprich an einer Möglichkeit, sich im Vorfeld einer Veranstaltung bereits mit konkreten Inhalten auseinander zu setzen und die auf der Veranstaltung diskutierten Inhalte im Nachgang nochmals gemeinsam zu reflektieren. Von einem Diskurs über Inhalte ganz zu schweigen.
Dass es prinzipiell eine Bereitschaft zur weiteren Auseinandersetzung gibt, zeigt mir beispielsweise die Anschlusskommunikation bei der GMW-Tagung. Hier tummeln sich derzeit eine ganze Reihe an Wissenschaftlern im Netz und diskutieren eifrig über offen gebliebene Fragen, über alte und neue Begrifflichkeiten, aber auch über den Einsatz von digitalen Technologien zur Intensivierung des Tagungserlebnisses. Dies ist sowohl aus einer Kommunikationsperspektive (die ich ja bekanntermaßen des Öfteren einnehme ;-)) als auch aus der Perspektive der Kompetenzentwicklung durchaus erfreulich. Denn zusätzlich zur Kommunikationsperspektive können und müssen Tagungen und Kongresse stets vor dem Hintergrund von Lernen, Wissen und Kompetenzentwicklung betrachtet werden. Dies leuchtet allerdings professionellen Organisatoren derartiger Veranstaltungen nur selten ein – es geht ihnen vorwiegend um die „Publicity“. Doch das Potenzial für Wissensaustausch und -kommunikation bleibt ohne Zweifel hoch, gerade bei wissenschaftlich relevanten Veranstaltungen.
In der Masterarbeit (leider Produkt einer Kooperation und daher nicht online) habe ich es in Anlehnung an Reinmann-Rothmeier (2000, S. 11) so beschrieben: Externe Veranstaltungen bieten das Potenzial, Organisationen auf ihrem Weg zu lernenden Organisationen, zur Entwicklung wissensfreundlicher Organisationskulturen und zur aktiven Förderung lebenslanger individueller und sozialer Lernprozesse wirksam zu unterstützen. Streitpunkt im Sinne eines nachhaltigen individuellen und organisationalen Wissensmanagements bliebe jedoch die systematische Vor- und Nachbereitung der Tagungen und Kongresse.
Ergänzend dazu muss man erwähnen: Im Kontext von Organisationen fehlt oftmals die Zeit, aber auch die Bereitschaft, Veranstaltungsbesuche im Nachhinein zu reflektieren. Es gibt zwar inzwischen eine ganze Reihe Tools, die dies unterstützen können, angefangen bei Blogs über Wikis bis hin zu Social Communitys, doch ihre Nutzung bleibt nach wie vor einzelnen überlassen und müssen (möglicherweise) speziell angeleitet werden.
Letzteres funktioniert z.B. bei den w.e.b.Square-Tagungen gut. Hier versuchen wir den Studierenden gezielt die Bedeutung der Tagungsreflexion beizubringen. Bislang geschah die Reflexion offline in Form von bei mir eingereichten .pdfs; ab der dritten w.e.b.Square-Tagung, die im kommenden Wintersemester stattfindet, versuchen wir die Reflexion online im Blog abzubilden… ein Experiment, was aufgrund der Verknüpfung mit der Lehre eng mit dem Assessment verbunden sein wird.
Nimmt man nun den aktuellen Blog Carnival, der die Frage nach der Ablösung von offenbar antiquierten Veranstaltungsformaten aufwirft, so sind die bisherigen Alternativen für mich nur ergänzende Lösungsmöglichkeiten, da etwa BarCamps die technologische Entwicklung nicht verdammen, sondern gezielt für den Austausch vor, während und nach der Veranstaltung nutzen. Hiervon können und sollten klassische Veranstaltungen lernen. Auch Twitterwalls und Communitys sind ein wichtiger Schritt, wissenschaftliche Veranstaltungen für Interessierte zu öffnen, doch mit Sicherheit nicht der einzige und schon gar nicht der letzte. Denn mit der wachsenden Integration der „Stakeholder“ kann auch die Möglichkeit wachsen, diese am Prozess der Programmplanung, am Suchen und Finden von Themen etc. teilhaben zu lassen. Das wäre schließlich eine optimale Veranstaltung, auf der sich die unbestritten viele Arbeit auf den Schultern aller verteilt. Doch wenn es um die Arbeit geht, sind viele vermutlich froh, wenn sie wieder auf eine Tagung im 1.0-Stil zurückgreifen können… es ist aber auch verzwickt, die Sache mit dem perfekten Format.
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Literatur:
- Bromme, R., Jucks, R., Rambow, R. (2004): Experten-Laien-Kommunikation im Wissensmanagement. In G. Reinmann & H. Mandl (Hrsg.), Psychologie des Wissensmanagements. Perspektiven, Theorien und Methoden (S. 176-188). Göttingen: Hogrefe Verlag.
- Reinmann-Rothmeier, G. (2000): Communities und Wissensmanagement: Wenn hohe Erwartungen und Wissen zusammentreffen. Forschungsbericht Nr. 129. München: Lehrstuhl für Empirische Pädagogik und Pädagogische Psychologie, Ludwig Maximilians Universität.
- Seiler, T.B. (2001): Entwicklung als Strukturgenese. In S. Hoppe-Graff & A. Rümmele (Hrsg.), Entwicklung als Strukturgenese (S. 15-122). Hamburg: Dr. Kovac.
- Seiler, T.B. & Reinmann, G. (2004): Der Wissensbegriff im Wissensmanagement: Eine strukturgenetische Sicht. In G. Reinmann & H. Mandl (Hrsg.), Psychologie des Wissensmanagements. Perspektiven, Theorien und Methoden (S. 11-23). Göttingen: Hogrefe Verlag.
Wenn man wie ich regelmäßig Lehrveranstaltungen in Kooperation mit externen Partnern durchführt, muss man sich zwangsläufig irgendwann die Frage nach der Verwertung der entstandenen Ergebnisse stellen. Die Auseinandersetzung mit dem geistigen Eigentum ist dabei nicht neu: Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass wir als Studierende oftmals an Punkte angelangt sind, wo wir die Seminarergebnisse – teils mit, teils ohne Aufwandsentschädigung – an Dritte abtreten sollten. Schon damals fand ich das kritisch, denn schließlich kann der Dozent nicht pauschal über die Ideen der Studierenden bestimmen. Auch die beteiligten Organisationen, oftmals Unternehmen, hatten an mancher Stelle wohl mehr den eigenen Profit als den bildenden Kern der Kooperationsveranstaltung im Sinn.
Jetzt, ein paar Jahre später und in umgekehrter Funktion, bin ich wieder an den Punkt des Umgangs mit Lehrveranstaltungsergebnissen angekommen. Und erstmals richten sich diese Überlegungen komplett in die Zukunft, nämlich an im Wintersemester bevorstehende Veranstaltungen. Meine Grundüberzeugung, dass die Ideen den Studierenden gehören, hat sich dabei nicht verändert. Wohl aber denke ich darüber nach, wie ich als Dozentin bereits im Vorfeld Erwartungen und Hoffnungen von Organisationen auf der einen Seite berücksichtigen, aber eben auch die Perspektive der Studierenden auf der anderen Seite ausreichend integrieren kann. Denn das Urheberrecht spricht eine klare Sprache, wie mir unsere Rechtsabteilung in der vergangenen Woche versichtert hat:
„Das Urheberrecht an den von Studierenden erstellten Seminarleistungen steht regelmäßig den Studierenden selbst zu, nachdem es sich dabei regelmäßig um selbständig zu erstellende Prüfungsleistungen handeln wird. Insoweit sind die Studierenden frei, daran Nutzungsrechte zu übertragen. Insbesondere bestehen irgendwie geartete Ansprüche auf Übertragung von Nutzungsrechten an die Universität nicht. Im Gegenteil darf hier keine Verknüpfung zwischen dem Prüfungszweck und einer Nutzungsvereinbarung bestehen.“ (Aussage Rechtsabteilung, Universität Augsburg)
Eine derartige Einschätzung hilft mir dabei, im Vorfeld der Veranstaltung an alle Beteiligten klar zu kommunizieren, dass ich als Dozentin keine pauschale Abtretungserklärung unterzeichnen werde. Denn es liegt primär an den Studierenden, ob und unter welchen Bedingungen sie die Nutzung schließlich an Dritte übertragen. Meine Aufgabe wird es später (und im Falle positiver Ergebnisse) sein, zwischen den unterschiedlichen Gruppen zu vermitteln und für die verschiedenen Blickwinkel zu sensibilisieren. Mitunter kann die weitere Verwendung der Seminarergebnisse ja durchaus gut sein; manchmal bleibt aber auch ein fades Gschmäckle übrig… und das würde ich im Sinne aller Beteiligten gern vermeiden.
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